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Auswahl:
Einführung | Beispiele 1 | Beispiele 2 | Artenliste
Beispiele 2
| Den Turbo einschalten und
rumstinken |
| Eine
weitere Methode, den Ameisen zu entgehen,
ist einfach fixer zu sein. Mit besonderer
Perfektion beherrschen dies die räuberischen
Kurzflügler, deren verkürzte
Flügeldecken und gestreckte Gestalt
besonders wendige und schnelle Bewegungen
zulassen. Die Arten sind darüberhinaus
meist deutlich kleiner als die Wirtsameisen,
so dass sie sich in Lücken und
Spalten verkriechen können, in
denen keine Ameise folgen kann. Als
Beispiele seien hier die extrem seltene
Euryusa sinuata, die bei Lasius
brunneus lebt, und einige Bewohner
von Formica-Nesthügeln abgebildet. |

Euryusa sinuata |
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Auch diese Arten besitzen leichte morphologische
Anpassungen, so Euryusa einen besonders
breiten Halsschild, sodass der Käfer
nicht an einer Einschnürung zwischen
den Körpersegmenten gepackt werden kann
und Nothotecta und Thiasophila
dicht gedrängte Antennenglieder, so dass
die Fühler nur schwer von Ameisen abgebissen
werden können. Im Notfall beherrschen
Kürzflügler aber auch die Abwehr
mit chemischen Kampfstoffen. Kommt ein potentieller
Angreifer zu nahe, wird der Hinterleib nach
Skorpionsart nach vorne gebogen, so dass aus
Abwehrdrüsen ätzende und stinkende
Sekrete herausgespritzt werden können.
Lyprocorrhe anceps |
Notothecta flavipes |
Thiasophila angulata |
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| Was willst Du, ich bin auch
eine Ameise! |
| Eine besonders
interessante Gruppe sind die - so könnte
man sie nennen - "sozial angepassten Milbenfresser".
Gemeint sind die regelmäßig in
Holznestern von Lasius brunneus vorkommenden
Palpen- und Ameisenkäfer. Batrisus formicarius,
Batrisodes-Arten und Scydmaenus perrisi konnten
mehrere Monate in Gefangenschaft mit und ohne
Ameisen in Nestsubstrat gehalten und beobachtet
werden. Die Käfer zeigen keine auffälligen
morphologischen Anpassungen an das Leben im
Ameisennest, aber ein spezielles Verhalten.
Bei Begegnung mit den etwa gleich großen
Ameisen zeigten alle Käfer ein anderes
Verhalten als gegenüber den Artgenossen.
Sich bei Begegnungen berührende Käferkollegen
bewegten sich weiter, während bei Fühlerberührung
mit einer Ameise ruckhaft innegehalten wurde
und erst nach Beendigung des Fühlerkontaktes
das Weiterlaufen erfolgte. Die Fühler
werden dabei nicht eingezogen, sondern der
Ameise weiterhin "zum Kontakt angeboten".
Die Ameise verhält sich dabei wie bei
einer Begegnung mit einer anderen Arbeiterin.
Menschlich ausgedrückt hieße das:
Der Käfer passt sich dem Sozialverhalten
der Ameisen an und wird von dieser nicht als
Käfer erkannt, während dieser Ameisen
als Ameisen und Artgenossen als Artgenossen
erkennt und beide andere Käfer als andere
Käfer erkennen, diese angreifen oder
sich schützen. |

Scydmaenus hellwigi |

Batrisodes unisexualis |

Batrisus formicarius |
Bei den im Ameisennest gehaltenen Exemplaren
konnte beobachtet werden, dass sich die Palpenkäfer
der Gattungen Batrisus und Batrisodes
vornehmlich auf dem von den Ameisen angelegten
Abfallhaufen aus toten Ameisen aufhielten,
auf dem sich in sehr großer Zahl kleinste
weiße, weichhäutige Milben fanden.
Diese Milben bilden die Nahrung der Palpenkäfer.
Die Ameisenkäfer stellen dagegen den
gepanzerten Milben nach, Scydmaenus
in diesem Fall der Schildkrötenmilbe
Trichouropoda ovalis, die oft massenhaft
in den Holznestern vorkommt. Von den Scydmaeniden
weiß man, dass sie in ihrer Beuteerwerbstechnik
speziell an bestimmte Milbentypen angepasst
sind. Sie ergreifen die Milben, drehen sie
auf den Rücken und schaben entweder Löcher
in die Beutetiere oder schneiden nach dem
Dosenöffnerprinzip (Scydmaenus)
mit ihren Mandibeln auf der Körperunterseite
der Milben besonders große Chitinteile
an ihren Nahtstellen heraus. |
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| Ist das alles - nur hässliche
Entlein? |
| Wer im hohlen
Baum lebt oder im finsteren Nesthügel,
braucht sich nicht besonders zu schmücken.
Formen müssen funktional sein, Farben
spielen in der Dunkelheit keine Rolle. Für
Käfer, die im Licht des Tages unterwegs
sind, gelten oft andere Regeln, Tarn- oder
Warnfarben sind angesagt. Die großen
engerlingartigen Larven des gut gepanzerten
Rosenkäfers Protaetia cuprea,
dessen Verwandte sich in morschem Holz und
Baumhöhlen entwickeln, leben in den feuchteren
Randbereichen von Formica-Nesthügeln,
wo sie sich von den verrottenden Holzteilen
und Nadeln ernähren. Auf Sträuchern,
deren Äste über Formica-Nesthügel
ragen, sitzen manchmal nach Art der giftigen
Marienkäfer gefärbte Blattkäfer
aus der Gattung Clytra. Die Weibchen
strecken den Hinterleib über das offene
Ameisennest, halten ihre Eier mit den Hinterbeinen
und hüllen sie drehend in ein schützendes
Sekret, um sie anschließend auf das
Nest fallen zu lassen. Die dort schlüpfenden
Blattkäferlarven bauen sich eine Hülle
aus eigenem Kot, der die ungepanzerten Körperteile
tarnt und schützt. Diese Technik hat
ihnen den auf den ersten Blick merkwürdigen
Namen "Ameisensackkäfer" eingetragen. |

Protaetia cuprea |

Clytra laeviuscula |

Clytra quadripunctata |
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