Formicarium für Temnothorax unifasciatus

  • Servus.


    Zitat

    Temnothorax unifasciatus
    Außer einem isolierten vorkommen auf Ödland (57°N) nur südlich von 52.5°N verbreitet.
    Thermophil. In D im Süden weit verbreitet, mit stellenweise bis in Dichten bis 120 nester / 100m². Hauptsächlich planar bis collin. Besiedelt offene und gehölzbestandene xerotherme Habitate aller Art, in Städten nur in weniger belasteten Bereichen (Friedhöfe, alte Stadtmauern). Nester werden in allen mikroklimatisch geeigneten Kleinsträumen an der Bodenoberfläche, in Felsspalten, seltener in Totholz oder Borke bis 50cm Höhe errichtet.


    Heute ist das neue Formicarium für meine Temnothorax unifasciatus so gut wie fertig geworden.


    Überlegung:
    Da sie größtenteils in felsigem Gelänge zu finden sind, habe ich ihnen eine kleine flache Felsklippe nachgebildet in der ich ein Gipsnest integriert habe.
    Der Zugang erfolgt über eine ca. 1mm große Bohrung zwischen den Steinen.


    Gründzeug:
    Aus Gründen der Pflegeaufwands habe ich, wie gewohnt, auf echte Pflanzen verzichtet und zu Plasikpflanzen gegriffen, was sich bisher auch bei meinen Lasius niger bewährt hat.


    Die Bodenplatte:
    Die Grundplatte besteht aus zugeschnittenen und verklebt, wie verschraubten Styrudurplatten.
    Die "Klippe" wurde aus vielen verschiedenen Steinen, die ich im benachbarten Brachland eingesammelt hatte und mit Heißkleber entsprechend an ihren Bestimmungsort befestigte, aufgebaut.
    Anschließend mit mehreren Schichten eingefärbten Gips (hoffentlich) sämtliche Hohlräume aufgefüllt und den Boden ausgeformt.
    Für die Pflanzen stach ich Löcher vor und klebte diese mit Heißkleber in den Boden, um anschließend nochmals eine dicke Schicht gefärbten Gips aufzutragen.
    Als nächstes mischte ich eine Mischung aus Gips, Holzleim, Lehm und Farbe an, auf dessen aufgetragene Schicht ich Sand und anschließend Lehm streute und mit einem weichen Pinsel verteilte um so langsam einen natürlicher wirkenden Boden zu bekommen.


    Das Nest:
    Das Nest ist ein selbst gegossenes Gipsnest das sich in einer zurecht geschnittenen Schraubenschachtel befindet, um die Grundplatte gegen Feuchtigkeit zu schützen.
    Als durchsichtiger "Seitendeckel" dient ein zurecht geschnittene Glasscheibe von diesen billigen rahmenlosen Bilderrahmen, die mit einer dünnen Schicht Küchensilikon (Achtung, es muss zum Aquarienbau geeignet sein!!! Sanitär- und übliches Silikon ist dies in den allermeisten Fällen nicht!!!) aufgeklebt wurde.
    Damit das Nest einen festen Sitz hat und gerade zum Nestausgang hin keine Hohlräume entstehen, das Nest aber für sich entnommen werden kann, baute ich mit einer weiteren Schachtel einen zu einer Seite offenen Schacht in die Grundplatte, in die das Nest gerade zum Eingang hin exakt hinein passt und anliegt und so auch fest Sitzt.
    Die übrigen kleinen Spalten verschloss ich dann mit einer dünnen Schicht gefärbten Gips - sollte ich das Nest entnehmen müssen, so genügt ein leichter Ruck und das Gips bricht auf und das Nest kann entfernt werden.
    Zur Befeuchtung, überwiegend im Winter, Temnothorax halten ihr Nest im Sommer selber feucht, im Winter speichert die Eis und Schneeschicht über dem Nest die Feuchtigkeit, wurde noch ein unten aufgeschnittenes kl. RG mit in das Nest eingegossen. So kommt die Feuechtigkeit von unten und steigt langsam nach oben; daher auch zwei Kammern, eine Feuchte und eine eher Trockenere.
    Damit die Kleinen nicht in den Wassertank fallen und ertrinken, stecke ich eine abgeschnittene kleine Spritze, die perfekt passt, in das RG, oben drauf kommt dann noch eine selbst gebaute Kappe. So kann ich das Nest bequem von "weiter weg" mit einer Spritze befüllen, sollte es nötig sein.
    Die Nestkammer sind absichtlich eher kantig gestaltet, um mehr eine felsige Umgebung zu simulieren.
    Zum Schluss noch mit einem 1mm-Bohrer den Zugang zum Nest gesetzt.


    Einsetzten ins Formicarium:
    Um das Nest gut abzudunkeln, ich klebe die rote Folie immer möglichst außen auf die Formicarienscheibe, da ich sie so auch einfacher abnehmen kann, sollte es erforderlich werden und um zu verhindern, daß Ameisen zw. Platte und Glasscheibe gelangen, klebe ich immer ein dünn zurecht geschnittenes Türdichtband um die Sichtscheibe des Nestes.


    Nach einer gründlichen Reinigung und Vorbereitung (Silikonnähte oben entfernen etc.) des ehemaligen einfachen Aquariums, setzte ich nun die vollständige Bodenplatte ein.
    Rundherum füllte ich den Spalt zw. Scheibe Platte, den ich absichtlich auch stehen lasse, mit Sand bis oben hin auf.
    Nun mit einer Spritze diesen Bereich, rundherum anfeuchten und mit einem weichen Pinzel Lehm darüber gekehrt. Wenn dieser dann ausgetrocknet ist, bildet er eine feste Oberfläche, in die die Ameisen nicht graben können (Ausnahmen bestätigen die Regeln, will sagen, gilt nicht für alle).
    Nochmals von innen die Scheiben vom Lehmstaub befreit, den Bereich für den Ausbruchschutz penibel fettfrei gereinigt und sodann den Ausbruchschutz aufgetragen. ich verwende hierfür Paraffinöl, welches ich mit einem Taschentuch auftrage und mit einem mit Paraffinöl leicht benetzten Taschentuch rundherum verteile und abschließend nachwische, sodaß nurnoch ein hauchfeine Schicht übrig bleibt. Wichtig bei Paraffinöl ist, daß es wirklich dünn aufgetragen ist, da es sonst zu Tröpfchenbildung kommt und damit der Schutz an Wirkung verliert und/oder Ameisen darin fest kleben und verenden.


    Abschließend:
    Nun kommen noch ein paar Äste rein (sind noch nicht mit auf den Bildern), ein Wasserspender und ein Tropfen Honig mit ein paar Sandkörnern darin auf einem Stück Alufolie. Sodann fehlen nur noch die hoffentlich zukünftigen Bewohner.


    Ich hoffe sehr, sie nehmen das Nest an, damit die ganze Arbeit nicht umsonst war. :shock:


    Da ich so die Vermutung habe, daß sie Geschlechtstiere groß ziehen - ihr Hunger ist enorm, im vergleich zum letzten Jahr Spätsommer/Herbst - würde mich zumindest sehr freuen, da dies doch immer ein gutes Zeichen ist, daß es der Kolonie gut geht, werde ich wohl bevor ich sie hinein setzte, noch einen Deckel bauen.


    Sobald es was neues gibt, berichte ich davon.


    So, jetzt aber die Bilder - der Rand ist dunkel, da dieser noch feucht ist (s.o.), rote Folie für das Nest und die Äste fehlen noch:
    Bilder, Teil1:



    Grüßle ~Shar~

    Eine Gesellschaft, die ihre Freiheit zu Gunsten ihrer Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient. (B.F.)

    power is nothing without control!

  • Servus.


    Ein paar Äste habe ich nun dazu gelegt, ebenso einen Deckel angefertigt.


    Der Deckel besteht aus einer zu gebrochenen Acrylglasplatte, in der mit einem Lochfräser ein Loch für den Lüfter und mit einer Laubsäge und feinem Sägeblatt die rechteckige Öffnung geschnitten und anschließend mit einem Naßschleifpapier entgratet wurden.
    Als Abschluss und damit der Deckel nicht verrutschen kann, wurden zugeschnittene L-Profile aus Alu angeklebt und die Auflageflächen der Platte mit Türdichtband abgeklebt um Unebenheiten auszugleichen.
    Um den Lüfter später befestigen zu können, übertrug ich deren Lochbild auf die Platte und bohrte entsprechend der Schraubenstärke (=etwas weniger als das Gewinde an Durchmesser hat) die vier Löcher vor und entgratete die Bohrlöcher noch mit einem Senker.
    Beide Öffnungen sind mit feinmaschiger Drahtgaze (MW: 0,25mm) gegen Ausbruch luftdurchlässig verschlossen.
    Bei der runden Öffnung für den Lüfter, der saugend angebracht wurde, klebte ich die Ganze einfach von unten an die Platte.
    Bei der rechteckigen Öffnung, die für die Frischluftzufuhr gedacht ist, gab ich mir mit der Gase mehr Mühe, da davon später doch mehr zu sehen ist. Ich winkelte diese so ab, sodaß sie an der Schnittkante vom dem Loch anliegt und nicht einfach flach an der Plattenober- oder Unterseite aufliegt. An dieser Kante und leicht überlappend (damit es wirklich sicher dicht ist) auf die Plattenunterseite brachte ich den Kleber auf, womit von diesem nur wenig zu sehen ist.
    Der Lüfter ist ein 80x80mm großer PC-Lüfter der Firma Noctua, die im Moment mit die besten und leisesten Lüfter her stellt. Ich hatte zuvor einen ColdMaster versucht, der auch recht leise sein soll. Leider ist das Ding so billig hergestellt, daß er zwar relativ leise ist aber der Lauf nur Vibrationen verursacht, was bei dem Noctua nicht der Fall ist. Dieser läuft auf Grund seines magnetzentriertes Öldruckgleitlager absolut ruhig und vibrationsarm.
    Zu dem Lüfter selber noch ein paar Daten:
    Noctua NF-R8
    Spannungsbereich: 4 - 13V
    Stromaufnahme: 0,11A
    MTBF: > 150.000 h
    Drehzahl, Luftdurchsatz, Lautstärke:
    800rpm, 26m³/h, 7dB (A)
    1300rpm, 39m³, 10dB (A)
    1800rpm, 53m³/h, 17dB (A)




    Im Moment bin ich noch am Überlegen, ob ich "unten" nicht noch mehr Bodensubstrat dazu geben oder es so lassen sollte!?


    Ansonsten, morgen noch die rote Farbfilterfolie drauf und die Kleinen können einziehen.



    Grüßle ~Shar~

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