Hilfe bei Ameisen im Zimmer

  • Hallo zusammen! Ich hoffe ich bin mit meinem Anliegen hier richtig und finde Hilfe.

    Am Freitagabend (20.03) habe ich auf meiner Fensterbank in meinem WG-Zimmer einige Ameisen entdeckt, ich vermute so 10-15 Stück. Schnell habe ich alles von der Fensterbank entfernt und auch sonstige offene Lebensmittel weggepackt, damit die Ameisen von nichts angezogen werden. Es wurde ziemlich schnell deutlich, dass die Ameisen unterhalb der anderen Fensterbank rauskommen (im Zimmer sind zwei Fenster nebeneinander) also habe ich den Schlitz vorerst mit Paketband abgeklebt in Hoffnung, dass sie so keinen Weg mehr raus haben. An sich funktioniert dies auch ganz gut, trotzdem habe ich in den letzten Tagen immer mal vereinzelte Ameisen auf/um die Fensterbänke herum gefunden und bin mir nun nicht sicher ob die einfach seit Freitag schon herumlaufen oder obs noch einen anderen Weg gibt (wobei ich da glaube, dass wahrscheinlich mehr Ameisen auftauchen würden als vielleicht so 1-5 am Tag). Zudem hab ich die Fensterbänke, nachdem ich die Ameisen entdeckt habe, mit Essig abgewischt und dies auch schon mehrmals wiederholt, da im Internet stand, dass der Geruch sie vertreiben könnte. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass zu keinem Zeitpunkt eine Ameisenstraße bestanden hat, sondern erstmal nur einzelne die rumgelaufen sind und wahrscheinlich nach Futter gesucht haben. Alle Ameisen die hier irgendwo aufgetaucht sind habe ich soweit (leider) zerquetscht.

    Durch Google Lens habe ich vorhin versucht die Ameisenart zu bestimmen (Foto ist angehangen) und dort wurde mir die zweifarbige Wegameise ausgespuckt, daher würde ich es sehr wertschätzen eine Beurteilung dieses Forums zu bekommen und dazu Tipps wie ich die Ameisen wieder loswerden kann, bzw. ob die "Verrieglung" durch das Klebeband reicht. Wenn es sich wirklich um obengenannte Art halten sollte, wäre eine Vernichtung (soweit ich es verstanden habe) wichtig, da sonst Bauschäden entstehen können. Ist das schon etwas was ich dem Vermieter melden sollte und ist es sogar ein Fall für einen Kammerjäger? Oder soll ich erstmal selber etwas dagegen versuchen? Wenn ja, wie? Gerne Tipps zu Produkten aus Supermarkt/Drogerie, da dahin zu kommen etwas bequemer ist, aber sonst sind auch Baumarkt-Sachen in Ordnung. ich möchte einfach schnell handeln bevor es zu einem größeren Problem wird.

    Im Internet stand auch einiges von Zugänge/Löcher mit Silikon oder Acryl verschließen, aber bevor ich sowas angehe hole ich mir lieber Rat. Besonders weil ich nicht unbedingt handwerklich begabt bin (auch wenn es wahrscheinlich nicht so schwer sein würde) und ich mir auch nicht sicher bin ob diese Stoffe für einen Schlitz in der Wand passend sind. Ansonsten hätte ich noch Spachtelmasse zuhause mit der ich sowas versuchen könnte. Naja, da ich aber mittlerweile davon ausgehe, dass ich die Ameisen nicht einfach einsperren kann/sollte, sondern es wahrscheinlich mehr in Richtung Köder gehen wird, ist dies auch erst egal.

    Ich wohne in einer WG im 2. Stockwerk in Berlin, die Ameisen sind mal größer und mal kleiner, aber ich glaub grundsätzlich nicht mehr als 4-5cm. Ob andere Parteien oder Mitbewohner von mir das gleiche Problem haben/hatten, weiß ich leider nicht. Auch weitere Fotos gibt es nicht, da ich vorallem Freitagabend erstmal sehr panisch war und direkt alles entfernt habe.

    Vielen Dank schon mal. Falls sonst noch weitere Fragen bestehen, bitte Fragen! :smiling_face:

  • Hallo Sally,

    Ich bin zwar nicht ice trey, aber habe trotzdem einige Tipps. Diese Art ist wahrscheinlich eine lasius Art. Ich würde mal auf Lasius emarginatus tippen. Falls es dir möglich ist schick doch gerne ein paar genauere Fotos, falls nicht, auch ok.

    Bauschäden wird dein Paketband wahrscheinlich nicht hinterlassen. Problematisch wird es dann, wenn das Nest so gross ist, dass die Wand und eventuell verbautes Holz durchgraben wurde. Da müsste sich dann eigentlich der Vermieter darum kümmern, darüber müsstest du dir im Moment aber, denke ich mal, keine Sorgen machen.

    Auch ein Kammerjäger wird dann im Moment nicht vonnöten sein. Verfolgen mal die Lage, ich hab unten ein paar Tipps, und falls sich mit denen auch nichts bessert, dann kannst du über härtere mittel nachdenken. Dem Vermieter solltest du am besten erst dann etwas sagen wenn mittel, die du selber nicht benutzen kannst gebraucht werden, wie zb ein Kammerjäger. Ich glaube einen Kammerjäger muss in manchen Situationen sogar der Vermieter zahlen, kommt aber immer darauf an, wie lange und wie man in der Wohnung wohnt. Bei meiner Oma hat der Vermieter einen kammerjäger bezahlt, denn die Ameisen waren schon vor ihr da.

    Ich hatte selber schon Lasius emarginatus, welche gerne in der nähe von häusern leben als ungewollte Mitbewohner. Ich habe einfach Nelken und Anis verstreut (auf die Ameisenstraßen), das hat mir sehr geholfen und seit dem sind sie auch weg. Wichtig ist halt nur, dass du alle paar Wochen die Nelken oder den Anis neu verstreust, falls die Ameisen bis dahin noch nicht weg sind. Außerdem, wie vorhin erwähnt, solltest du Ameisenstraßen ausfindig machen. Da du in einer WG wohnst kannst du das ja gegebenfalls mit deinen Mitbewohnern verfolgen.

    Falls du keine Straßen findest, such nach kleinen Ecken wo immer wieder Ameisen herauskriechen und lege Anis und Co einfach in die Nähe von diesen Eingängen.

    Biologischeuttel sind meiner Meinung immer besser als chemische, solange keine akute Gefahr besteht. So sind die Ameisen durch den Geruch der gewürze weg, und sterben nicht. Das Problem ist nämlich, dass einige Arten ein Pheromone ausscheiden wenn sie sterben, was glaube ich andere Ameisen anlockt.

    Also, Versuche es am besten Mal mit gewürzen, und halte uns auch gerne am laufenden, dann kann man dir sicher auch noch weiterhin helfen.

    Lg flottelasius 🐜

    Edited 3 times, last by ice_trey: Artnamen korrigiert (March 26, 2026 at 2:34 PM).

  • Für das geschulte Auge Lasius emarginatus, ganz klar. Man sieht hier recht gut den bräunlichen Thorax, der Rest des Körpers ist schwarz. Das ist spezifisch für diese einheimische Art. Da hat Google Lens ausnahmsweise auch mal richtig gelegen (ist bei Artbestimmungen oft eher so lala).

    Die Art kommt oft an und in Gebäuden vor und ist in unseren Breiten sehr häufig. Leider hat sie auch ein gewisses Schadpotential, v.a. an bereits morschem, von Holzwürmern o.ä. durchwandertem oder verpilzten Holz und an Dämmmaterialien.

    Da muss man jetzt keine Panik bekommen, dass einem die Bude über dem Kopf zusammenbricht. Schädlingsbekämpfer-Websites dramatisieren Ameisenbefall oft über alle Maßen. Natürlich, damit man mit der Angst der Leute anschließend Geld verdienen kann. Laut Seifert (einer der führenden Ameisenwissenschaftler in Deutschland) wird intaktes Holz nicht angegangen.

    Akut Abhilfe schaffen, wie du es schon richtig gemacht hast, das Verschließen von Zugängen mit passenden Substanzen (Silikon, Acryl, Bauschaum, Spachtelmasse, je nach Untergrund), das Panzertape tut es zur Not auch. Muss man nur bedenken ,dass es sich über die Zeit z.B. in Tapeten oder Wandfarbe einfressen kann und wenn man es nach langer Zeit ablösen will, kommt manchmal alles mit runter. Auch die Reinigung mit Essig zur Entfernung von Pheromonspuren, sowie das Wegpacken von Lebensmitteln ist richtig.

    Man wird es nun allerdings nicht vermeiden können, dass einzelne Kundschafterinnen zufällig durch offene Fenster, Mauerritzen o.Ä. hereinmarschieren.

    Mit Giftködern erreicht man btw im Normalfall auch nur einen Teil der Kolonie. Der Grund ist easy: Die Kundschafterinnen fressen das Zeug mit Glück (selbst das ist nicht gewährleistet), gehen vielleicht auch noch zum Nest zurück. Dort verteilen sie v.a. an die Arbeiterinnen in den "Außenlagen" Futterproben, die sterben dann vielleicht auch. Der Kern des Problems, hier die Königin (bei zahlreichen Arten auch mehrere), die im geschützten Nestkern liegt, wird aber dadurch meist gar nicht erreicht. Das Giftfutter kommt meist gar nicht so weit. Sprich: Man tötet halt ein paar Arbeiterinnen, gefühlt bessert sich die Situation dann auch (weniger Druck durch Kundschafterinnen). Aber im Grunde ist die Kolonie nur angeschlagen und regeneriert über die Zeit wieder.


    Zu meinem Fazit: Da dein WG-Zimmer eine Mietsache ist und du den Befall nicht selbst verschuldet hast (es sind Wildtiere, die nun eben mal in Gebäuden vorkommen. Im Gegensatz zu z.B. Bettwanzen, die man gerne selbstverschuldet vom Urlaub mitbringt), ist das eine Sache für den Vermieter. Da es seine Wohnung ist, solltest du ihm melden, dass es einen Ameisenbefall mit entsprechend bereits bestimmter Art gibt und zumindest Ritzen in der Wohnung fachkundig verschlossen werden sollten. Sollte die Kolonie sich explosiv vermehren und Schädigungen auftreten, ist so auch eine Folgehaftung deinerseits durch Nicht-Meldung ausgeschlossen. Da ein vernünftiger Vermieter vermutlich kein Interesse daran haben wird, dass ein potentieller Materialschädling an seiner Wohnung zugange ist und für Schäden sorgt, wird er auch Maßnahmen einleiten und die Kosten für die Schädlingsbekämpfung tragen müssen. Der Ameisenbefall ist im Grunde ein Mietmangel. Was der Schädlingsbekämpfer macht, wird er nach Sichtung klären. Im Normalfall natürlich Einsatz von Giften aller Art (die auch beständig sein können, wenn sie verspritzt werden)

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

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