Hi Min4kb
schönes Projekt. Gehen wir die Punkte mal durch. Ich schreibe in Klammern immer gleich eine Idee, wie man das kingerechter formulieren kann.
Erfahrungen aus Veranstaltungen mit Kindergartenkindern: Auf keinen Fall mit Kindergartenkindern zu Waldameisen an einen großen Waldameisenhügel -> sehr aggressiv, 25% der Kinder werden davon eher traumatisiert, als dass sie was mitnehmen. Besser kleinere Ameisenhügel suchen und die kleinen Ameisen beobachten. Gerade Lasius niger findet man in Siedlungsgebieten fast in jedem Straßenzug.
Die Infos beziehen sich auch größtenteils auf Lasius niger. Bei Ameisen findet man ansonsten unvorstellbar viele Lebensweisen, Jäger, Sammler, und Veganer, Räuber und Diebe, Architekten, aber auch Nomaden, riesige Kolonien mit Millionen Ameisen, aber auch Arten, bei denen ein Volk nur 10-20 Arbeiterinnen groß wird. Eine Königin, tausende Königinnen, ... man kann die Liste endlos weiter führen.
🍯 Nahrung: Was fressen Lasius niger und wie kann man das kindgerecht erklären?
Die erwachsenen Tiere v.a. Honigtau von Blattläusen (= Kühe der Ameisen, werden gemolken). Die Larven werden hingegen proteinreich ernährt, durch Futtertiere (Jäger) oder aber Aas (Müllabfuhr)
Im Spätsommer schwärmen die Geschlechtstiere - Jungköniginnen und Männchen - aus zum Schwarmflug (Hochzeitsflug). Hier finden die Begattungen in der Luft statt. Die Männchen haben danach ihren Dienst getan und sterben binnen weniger Tage. Die Jungköniginnen landen, reißen sich die Flügel ab - diese benötigen Sie nie wieder - und suchen sich eine passende Nistgelegenheit, z.B. eine kleine Kammer unter einem Stein. Dort gründen sie allein mit Körperreserven ihre eigene Kolonie - das dauert ca. 1,5 Monate.
Es werden Eier gelegt, aus den Eiern schlüpfen Larven, die Larven werden aus den Körperreserven gefüttert, wachsen, verpuppen sich und über die Metamorphose (= wie bei Raupe Nimmersatt, von Raupe zu Schmetterling) entsteht die fertige Ameise. Eine erwachsene Ameise wächst auch nicht mehr - wie groß sie wird, entscheidet sich im Larvenstadium.
Die Königin regiert nicht, sondern ist allein für das Eierlegen zuständig. Alle Entscheidungen- nach der Gründung - treffen im Grunde die Arbeiterinnen.
Besonderheiten/Superfähigkeiten: Was können Ameisen besonders gut?
Sie sind superstark (tragen vielfaches des eigenen Körpergewichts), können als Gemeinschaft Unglaubliches leisten (riesige Ameisennester = Städte), sie kommunizieren v.a. über Pheromone (= Duftstoffe), mit denen sie sich Signale geben, aber auch über Körperkontakt, z.B. "Betrillern" mit den Fühlern (so wie Menschen auch ohne Worte kommunizieren können, z.B. über Mimik/Gestik/Berührungen, machen die Ameisen das über Düfte/Berührung). So können Ameisen sich gegenseitig zu Futterquellen führen -> Duftspuren am Boden, wenn sehr stark = Ameisenstraße, oder sich auch warnen. Auch Hunger können sie durch Betrillern signalisieren. Ameisen sind sehr wichtig, um in der Natur das Gleichgewicht zu halten.
Ameisen haben als Besonderheit eine spezielle Drüse, die antiseptische Substanzen herstellt. Das ist für Ameisen sehr speziell. Mit den Substanzen behandeln sie sich selbst, gegen Krankheitserreger. Sie sind also sehr reinlich, putzen sich sehr oft (und sie räumen ihren Müll auch grundsätzlich weg
)
🔎 Weitere Eigenschaften: z. B. Kommunikation, Orientierung, Zusammenarbeit und Aufbau des Ameisenstaates
teilweise s.o., Ameisen sehen auch mehr oder weniger gut (sehr artverschieden). Etwas speziell, aber man kann es gut darstellen: Sie können polarisiertes Sonnenlicht wahrnehmen. Einfacher gesagt: Somit können sie sehen, wo die Sonne ist, auch wenn es stark bewölkt ist und sich an deren Stand orientieren (Vergleich: Wenn man einen Stein ins Wasser wirft, sieht man kreisförmig kleine Wellen - selbst wenn man nicht gesehen hat, wie der Stein geworfen wurde, weiß man ca. wo er im Wasser gelandet ist).
Ameisenstaaten bestehen bei Lasius niger immer aus einer Königin - viele andere Arten haben mehrere - den Arbeiterinnen und im Sommer auch Männchen. Diese sind leider stinkfaul und machen nichts, außer sich durchfüttern zu lassen, bis ihr großer Tag gekommen ist. Eine Ameisenkolonie wird also von den Frauen geleitet und diese erledigen auch alles. Es gibt niemals einen "König" (im Gegensatz zu Termiten)
Hilfe durch den Menschen: Was brauchen Ameisen bzw. was sollte man bei der Haltung beachten?
Ameisen ist am Meisten geholfen, wenn wir natürliche Lebensräume erhalten, unsere Gärten naturnah gestalten und sie ansonsten in Ruhe lassen. Für Haltung, was sehr speziell ist: Siehe Einsteigerleitfaden: https://www.ameisenhaltung.de/ein-kleiner-we…m-eigenen-volk/
Man kann Ameisen grundsätzlich gerne Zuckerwasser anbieten - so kann man sie auch gut anlocken, um sie zu zeigen. Auch Obst, wie z.B. Apfelscheiben (frisch) werden oft binnen 30-60 Minuten vor Ameisen wimmeln.
Arbeit mit Vorschulkindern: Wie kann man Ameisen für Kinder erlebbar machen?
Ergänzung 21.10.26:
Spielideen (Alter ist eine Richtlinie)
- "Mit den Händen sprechen" (ab 5 Jahre): Die Kinder sensibilisieren in Zweierpaaren ihre Wahrnehmung über den Tastsinn, der bei Ameisen wichtig ist. Eine Person macht einen Gesichtsausdruck - die andere muss blind ertasten, ob diese fröhlich, böse, traurig, gelangweilt ist. Können die beiden wortlos herausfinden, was den anderen bewegt?
- "Kannst du mich riechen?" (ab 4): Die Kinder empfinden die Orientierung nach Geruchsinn nach (an Gruppengröße anpassen): 2-3 Kinder werden zu Wächterameisen. Diese erhalten jeweils ein Taschentuch mit einem unterschiedlichen ätherischen Öl darauf. Der Rest der Kinder erhält ebenfalls ein Tuch, mit einem zufälligen Duft. Nun gehen sie von Wächterin zu Wächterin, die anhand des Geruchs prüfen muss, ob die andere "Ameise" ins Nest gelassen wird 8wenn der Duft mit dem eigenen übereinstimmt). Wenn alle ihr Nest gefunden haben, kann man Rollen tauschen
- "Flinke Ameisen" (ab 5, ggf. auch mit elterlicher Unterstützung jünger): Die Ameisen spielen eine Nahrungssuche: Auf dem bespielten Platz wird ein Parcours festgelegt durch unterschiedliches Gelände. Am Ende des Parcours liegen Tannen/Fichten/Kieferzapfen o.Ä. (= Nahrung). Die Kinder erhalten zwei Äste (o.Ä., die Hände sollen nicht genutzt werden. Ich selbst habe da schon kleine Holzgabeln ausgegeben, die kosten fast nichts, sind für jüngere Kinder aber einfacher zu handhaben), mit denen sie die Zapfen einsammeln und über den Parcours zurück zum Startpunkt tragen müssen. Man kann das variieren, entweder darf nur 1 Kind je Team auf dem Parcours sein und das Spiel endet, wenn alle Kinder eines Teams einen Zapfen herbei geschafft haben. Oder man schaut, wer nach einer gewissen Zeit mehr Zapfen gesammelt hat, z.B. nach 10min
- "Rette sich wer kann!" (ab 5): Die Kinder lernen eine Gefahr für Ameisen kennen und spielen dies nach: In eine Kreis liegen wieder Zapfen, diese stellen die Brut dar. Die Kinder haben die Aufgabe, die Brut vor einem Fressfeind (Vogel) zu sichern. Wieder dürfen nur zwei Stöcke verwendet werden. Die Kinder versuchen, die Zapfen in einen ca. 10m entfernten Kreis zu tragen. Ein einzelnes Kind (am besten das Älteste) stellt den Vogel dar: Dieses versucht mit den zwei Stöcken die Zapfen aus dem Nest zu holen (darf einfach neben sich ablegen). Hat am Ende die Kolonie mehr Brut gerettet, oder der Vogel Brut "gefressen"? Variante: Die Brut wird in einer "Ameisenstraße" von Kind zu Kind gereicht
- "Beutefang" (ab 5): Die Kinder empfinden nach, wie Ameisen gemeinsam überleben, indem sie sich helfen: Ein Drittel der Kinder verwandelt sich in Ameisen auf Beutezug. Sie bekommen ein Band um den Arm zur Markierung. Alle anderen sind Beutetiere, die sich im Spielfeld bewegen. Nun müssen die Ameisen ihre Beute fangen. Berührt eine Ameise eine Beute, darf diese sich nicht mehr bewegen. Allerdings kann die einzelne Ameise ihren Fang nicht allein zum Nest schaffen. Der Fänger muss mittels Zeichensprache eine andere Ameise herbei rufen. Zu Zweit dürfen sie das Beutetier ins Nest bringen. Sind alle Beutetiere gefangen, wird getauscht. Welche Gruppe schafft es schneller?
- "Unterwegs wie eine Ameise" (ab 4): Die Kinder dürfen sich nur auf allen Vieren bewegen, um sich in den Blickwinkel einer Ameise hineinversetzen. Sie krabbeln eine festgesetzte Strecke ab (z.B. Schnur zwischen zwei Pflöcken). Was entdecken sie dort an kleinen Tieren, Hindernissen oder etwaiger Nahrung?
- "Läuse melken" (ab 4): Die Kinder sollen erfahren, dass Ameisen Süßes lieben und wie sie es beschaffen: Es bilden sich zwei Gruppen in zwei Reihen. Jede Ameisengruppe benennt unter sich eine "Blattlaus", die sich ca. 10m entfernt gegenüber der eigenen Reihe aufstellt. Die Ameisen wollen ihre Blattlaus nun "melken". Zapfen, Kastanien oder Steine dienen als "Honigtau". Auf ein Zeichen darf der erste in der Reihe zur Blattlaus rennen, dieser 3x über den Rücken streichen und erhält daraufhin den Honigtau. Dieser wird schnellstmöglich zum eigenen Nest gebracht. Daraufhin darf das nächste Kind in der Reihe starten. Welche Kolonie schafft es, mehr Honigtau zu ernten in einer fest gesetzten Zeit?
Das ist ein Auszug aus den Spielen aus dem Heft der NAJU des LBV "Erlebter Frühling, Aktionsheft Rote Waldameise". Das lässt sich auch allgemein für Ameisen gut verwerten. Das Heft kann man sicherlich auch anfordern und da ist noch viel viel mehr drin. Das waren jetzt Spiele, die ich selbst schon ausprobiert habe - hat auch gut geklappt.
Zum Download gibt es auch "Forscherkarten", die man verwenden kann: https://www.naju.de/app/download/1…df?t=1714481603
Abseits von Spielen: man kann Ameisen sehr gut, wie beschrieben, z.B. mit Obst oder Zuckerwasser anlocken und dann deren Verhalten beobachten.
🏠 Gemeinsames Projekt: Wie könnte man z. B. gemeinsam mit den Kindern einen geeigneten Lebensraum bzw. ein „Häuschen“ für Ameisen gestalten?
Gezieltes verwildern lassen eines Teils der Kindergartenfläche oder besser noch: Gezielte Anlage von Blühflächen in Kombination mit Sand- und Steinaufschüttungen (auch größere Steine, unter denen Ameisen nisten könnten). Bestenfalls ein paar Büsche oder Bäume nur wenige Meter entfernt (Lausbesatz!). Davon profitieren viele Insekten, aber indirekt auch Vögel und Echsen (z.B. Eidechsen), sowie Tiere wie Igel. Möglichst abseits von anderen Spielflächen, da ggf. sonst Konflikte mit Ameisen in den Folgejahren (denn welche Arten kommen, kann man kaum steuern).
Ameisen werden in spätestens 1-2 Jahren dort sichtbar werden. Je steriler die Fläche, desto weniger in der Tendenz die Ameisen. Ameisen benötigen einen Besatz an jagbarer Beute, sowie sehr oft Blattläuse bzw. deren Honigtau als Kohlenhydratquelle. All das bekommt man durch Naturflächen.
Ein "Ameisenhaus" in dem Sinne gibt es nicht, das bauen sich die Ameisen bedarfsgerecht selbst - und je nach Art sind die Vorlieben auch höchst unterschiedlich.
Wissensvermittlung: Welches Grundwissen sollten Vorschulkinder über Ameisen haben und wie könnte man es spielerisch vermitteln?
Kinder im Alter von 8-12 wissen mEn manchmal sehr viel über Ameisen, wenn sie sich dafür interessieren. Aber im Vorschulalter hat man Ameisen meistens nur mal gesehen, weiß aber über deren Leben und Wirken quasi gar nichts. "Sollten haben" ist also relativ - Umweltbildung bei Kindern wird seitens der Eltern sehr oft - aus Unwissen oder Unwillen - sehr vernachlässigt. Um diesen Umstand zu beseitigen bedarf es der gezielten Führung durch solche Leute wie dich, natürlich altersgerecht.
Meine Erfahrung dazu: Die meisten Kinder in dem Alter wissen, dass es Ameisen gibt, dass diese zwicken und "bieseln" können (=Abgabe von Ameisensäure oder Stechen mittels Stachel, je nach Art. Schon das ist meist unbekannt). Da viele Eltern über Ameisen gar nichts wissen oder diese gar nur als als Ungeziefer ansehen, haben die Ameisen auch kein gutes Standing und die Kinder wissen da so gut wie gar nichts drüber im Vorschulalter. Wir Ameisenfans sind da echt die Ausnahme - in der Standardfamilie wird über Ameisen wenig geredet.