• Liebe Ameisenfreunde,

    Heute möchte ich mal in den Raum stellen was wir gegen das artensterben der Insekten und genauer noch, der Ameisen tun können.

    Im Raum von 1900-2026 sind viele Arten weniger geworden und das wirkt sich doch sicher auch auf das ökosystem aus? Ich kann mir nicht vorstellen das dieses rasante Artensterben und die langsame Umverteilung von Arten noch lange so weiter geht ohne Probleme weitergehen kann.

    Ich werde hierzu noch etwas Recherche betreiben, doch vorerst will ich euch fragen, was macht ihr dagegen und was können wir alle dagegen machen?

    Ich persöhnlich siedle immer wieder Ameisen in meinem Garten an um viele Arten die ins biom passen zu haben. Ich siedle sie auch in anderen Gebieten rund um Wien und Niederösterreich an um dort die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten, denn ich konnte leider in den letzten 3 Jahren schon beobachten wie die Vielfalt immer weiter zurückging.

    Lg flottelasius 🐜...

  • Hi,

    ja der Rückgang von Insekten ist wirklich dramatisch, seit den 1980ern sind in Mitteleuropa 75% der Fluginsekten verloren gegangen. Das betrifft nicht nur seltene Arten, sondern alle untersuchten Gruppen – und damit auch Ameisen, die als Schlüsselspezies ganze Ökosysteme stabilisieren.

    Insekten sind die Basis vieler Nahrungsketten. Das bedeutet auch ein Rückgang gefährdet Vögel, Amphibien, Fledermäuse und andere Tiere, die auf sie angewiesen sind, Rund 75–90 % aller Pflanzen sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Auch auf die Bodenqualität und Nährstoffkreisläufe haben Ameisen und andere Insekten wesentlichen Einfluss.

    Hauptursachen des Rückgangs sind:

    Die Intensive Landwirtschaft, Versiegelung von Böden, Lichtverschmutzung, Schadstoffe und Umweltgifte, aber natürlich auch der Klimawandel.

    Ich persöhnlich siedle immer wieder Ameisen in meinem Garten an um viele Arten die ins biom passen zu haben. Ich siedle sie auch in anderen Gebieten rund um Wien und Niederösterreich an um dort die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten, denn ich konnte leider in den letzten 3 Jahren schon beobachten wie die Vielfalt immer weiter zurückging.

    Deine Unternehmungen sind gut gemeint, aber bringen nicht viel. Wenn du ein Habitat anbietest wo Ameisen leben können, werden dort auch welche Leben, Wenn du jetzt irgendwelche Arten irgendwo aussetzt, dann werden sie oft von Arten verdrängen die besser an das Habitat angepasst sind, oder es gibt zu wenig gute Bedingungen das sie dort leben können.

    Ameisen bilden sehr viele Geschlechtstiere aus, in der Hoffnung, das eine Einzige es schafft erfolgreich zu gründen. Also nur mal so zum Vergleich, von 10.000 Lasius niger Jungköniginen die ausfliegen, schafft es eine Einzige, eine Kolonie zu gründen, wo wieder Geschlechtstiere Ausbilden kann.

    Gut wäre wenn wir aufhören würden ihre Lebensräume zu zerstören und ihnen verloren gegangene Lebensräume wieder renaturieren. Den Einsatz von Pestiziden reduzieren, Beleuchtung ist auch ein sehr großes Thema, ich glaube jetzt weniger für Ameisen, aber für andere Insekten.

    Das Beste was man tun könnte, wäre wohl sein Wissen möglichst mit vielen Menschen teilen und so auf die Vernunft andere Menschen zu hoffen. Aber wir leben gerade nicht in Zeiten, wo man viel auf die Vernunft einer breiten Öffentlichkeit hoffen kann.

    Edited once, last by fink2 (July 31, 2026 at 11:59 PM).

  • fink2
    Leider hast du mit dem letzten Punkt Recht, ich möchte aber definitiv in meine Berufslaufbahn genau das mit einplanen.

    Mein Ziel mit den Aktionen ist es den Bestand und das Vorkommen der Arten in jeweiligen Gebiet anzusehen, wenn eine Art dort eine Mehrheit hat kann man sich entweder denken das diese an dieses Gebiet angepasst ist oder schon lange in dem Gebiet lebt.

    Lg

  • Es ist zwar schon ein Kampf gegen Windmühlen, aber Tätigkeitsfelder gibt es genug:

    - im Freundes- und Bekanntenkreis aufzuklären, warum man Gärten nicht so steril halten sollte. Oder wie man selbst Balkone insektenfreundlich bepflanzen kann. Da entsprechend auch mit gutem Beispiel selbst voran gehen - auch gegen Widerstände von Nachbarn ("Ihr Garten ist asozial!")

    - Eigentümer vogel- und insektenfreundlicher Gärten darauf hinweisen, dass man das in einigen Bundesländern prämieren lassen kann, um sowas auch zu honorieren

    - Ehrenämter annehmen und z.B. als Ameisenheger arbeiten (um beim Thema zu bleiben). Es gibt aber auch vielfältig Möglichkeiten bei Insekten, z.B. Wespen- und Hornissenberatung (Prämisse ist immer der Erhalt der Nester, notfalls Umsiedlungen mit Genehmigung). Wird oft auch von den Unteren Naturschutzbehörden mit Aufwandsentschädigungen honoriert

    - Beitritt/Aktive Arbeit in Naturschutzverbände und dann Mitwirkung an der Anlage und Pflege von Biotopen oder extensiv genutzten Flächen. Zum Beispiel Ameisenschutzwarten: Arbeit in den Ameisenschutzwarten

    - im Zuge des eigenen Engagements jährliche Infoveranstaltungen im Heimatort und Umgebung anbieten. Tatsächlich werden diese auch erfahrungsgemäß tatsächlich rege in Anspruch genommen. Das muss auch nicht aufwendig sein: Exkursion mit Ameisenheger XY zu Waldameisen -> schon hast du 4-5 Familien, die einen Sommertag mit dir verbringen. Hier ggf. Unterstützung durch Vereine oder Landschaftspflegeverbände suchen für die Werbemaßnahmen

    - bei den Kleinsten (Kindergarten, Schule) mit Umweltbildung beginnen und ggf. diese kindgerecht mit Spielen für Insekten begeistern -> oft beeinflussen die nämlich dann ihre Eltern, nicht umgekehrt. Erfahrungsgemäß bis ca. 14 Jahre ist gut, danach haben die Teenis genug andere Sorgen, als sich vollsabbeln zu lassen

    - Artenkartierungen (z.B. Waldameisennester oder generell Funde von seltenen/geschützten Arten), um Daten behördennutzbar und wissenschaftlich nutzbar zu machen. Einige Bundesländer haben da auch Möglichkeiten für Laien zur Eintragung/Meldung über Onlineportale

    - Beruflich, weil du es nennst: Als Biologe, Landschaftsökologe, o.Ä. tätig werden. Da muss man aber in der Realität oft erkennen, dass man eher dafür da ist, geschützte Arten für Bauvorhaben wie Straßen, Funkmasten, Regenerative Energien etc. beiseite zu schaffen. Man ist da eher für die Erfassungen/Organisation der Umsiedlung zuständig, als für den direkten Erhalt

    - Regelmäßig Petitionen zu solchen Themen unterstützen, wenn man z.B. körperlich nicht dazu in der Lage ist, selbst aktiv zu werden

    - oder Abgeordnete des eigenen Landtags o.Ä. mit solchen Themen konfrontieren

    - auf Social Media als Influencer tätig werden - für Naturschutz. Wirklich, ja. Sollte man nur nicht mit dem großen Publikum rechnen, den irgendein Kosmetik-Kanal bekommt

    ...

    usw.

    Nur um einen Abriss zu geben. Es gibt viele Möglichkeiten. Man sollte da nur damit leben können, von vielen Leuten als Naturschutzspinner/Öko-Fuzzi belächelt zu werden und oft genug auch auf taube Ohren zu stoßen. Zudem ist es mit der Umweltbildung des Großteils der Bevölkerung nicht weit her - da hapert es schon daran, eine Schwebfliege von einer Hornisse unterscheiden zu können oder dir werden Wildbienen als Wespen gemeldet... oder aktuell ist gefühlt jede Wegameise Tapinoma magnum, weil das ein Sommerloch-Füller für die Medien war. Aber auch hier kann man natürlich aufklärend tätig sein.

    Daher ist genau das auch ein guter Ansatzpunkt, um die Leute etwas fitter zu machen, einfach ins Gespräch zu kommen. Damit sie auch überhaupt mal den Zusammenhang zwischen Insekten und deren Wichtigkeit herstellen. Sonst nerven Insekten die Leute nämlich einfach nur. Ic hab schon oft genug gehört: Gibt doch genug von den Viechern.


    Was erfahrungsgemäß wenig bringt: Oberlehrerhaft Leute auf ihre Fehler hinweisen. Führt nur zu Widerstand - denn im Endeffekt willst du, dass die Leute ihre Denkweise und ihr Handeln aufbrechen und ändern - und das tut niemand gerne freiwillig, v.a. nicht, wenn man dafür angegangen wird. Also zum Nachbarn zu gehen und dessen englischen Rasen zu kritisieren ist nicht die beste Idee für ein gutes Zusammenleben :winking_face:

    Zu viel sollte man nicht erwarten - denn im Grunde müsste die Politik den Weg frei machen für große Änderungen. Das ist aber - zumindest aktuell - kaum gewollt.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

    Edited 5 times, last by ice_trey (August 1, 2026 at 4:03 PM).

  • Danke für den langen Text ice_trey 🙌

    Ich habe auf jedenfall vor eines Tages Biologie zu studieren und mit Ameisen zu arbeiten, Tierschutzorganisation und andere ehrenamtliche Sachen sind für mich als selbst 14 jährigen noch etwas schwer und eher unwahrscheinlich, da ich ja noch viel schulisches erledige. Trotzdem vielen Dank für die Meinung, deine Tipps etc..

    Lg

  • Das ist ja schonmal ein Ansatz. Weil du das Alter ansprichst: Viele, gerade die größeren Verbände, haben auch Jugendorganisationen. Da kann man schonmal an das Thema rangehen, aber eben auch unter Berücksichtigung von Schule usw., eben altersgerecht. Es macht ja auch einen Unterschied ob man volljährig ist, oder nicht. Eine Naturschutzbehörde nimmt vermutlich auch keine Minderjährigen unter Ehrenamtsvertrag - kenne zumindest mal keinen.

    Aber ich schätze, dass man auch - egal ob eigene Altersgruppe oder nicht - immer als Vorbild voran gehen kann, Man sollte das auch nicht unterschätzen. Ich habe in den letzten Jahren durchaus gelernt, dass viele Leute das viel mehr wahrnehmen, als man denkt, z.B.

    "Habe dich in der Zeitung gesehen. Toll, dass du das machst/Danke, dass du dich einsetzt!"

    "Kennen Sie Organisationen, an die ich spenden kann, wo das Geld gut verwendet wird?"

    "Das wusste ich alles nicht, Danke für die Veranstaltung!"

    um ein paar Reaktionen zu nennen. Mich hat das teils selbst überrascht, dass die Leute das wenigstens honorieren und zumindest ein bisschen was hängen bleibt.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

  • Danke für den Hinweis noch.

    In Österreich heißt das, was ich hier als "Ameisenheger" bezeichne nämlich "Ameisenwächter" (in der Schweiz teils "Ameisengöttis")

    Da kann man tatsächlich auch als Jugendlicher schon mithelfen, z.B. bei Umsiedlungen von Waldameisen. Die zuständigen Leute sind da teils nämlich erstaunlich alt und freuen sich über junge, starke Menschen, die mithelfen, Ameisen durch den Wald zu schleppen :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Und so kann man auch schnell Teil eines größeren Netzwerks werden - netzwerken ist immer nützlich, auch für o.g. Werbung von eigenen Veranstaltungen usw.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

  • Jo, die Meinungen gehen da sicher auseinander. Effektiv ist es aber so, dass es auch unter Ameisenhegern einige Ameisenhalter gibt. Bei Interesse an diesen Lebewesen ist es ja auch irgendwie naheliegend. Es sind auch nicht alle Landesverbände (oder zumindest deren Vorsitzende) in D derart eingestellt, wie die in Bayern (ameisenfreunde.de ist von der Bayerischen ASW).

    Zumindest hat man in der Verbandszeitschrift (die ist bundesweit) auch mal ein Camponotus ligniperda Formicarium präsentiert - also würde ich mir da nicht den riesen Kopf machen.

    Vor allem behaupte ich, dass der größte Teil der Ameisenhalter auch eine verantwortungsvolle Haltung zumindest anstrebt und wir das auch so vermitteln. Schwarze Schafe, die ihre exotischen Ameisen frei im Haus halten (tatsächlich hier schon gehabt, ist ganz offen damit umgegangen) oder in die Freiheit entlassen sind wirklich selten.

    Sämtliche bekannten Fälle von etablierten exotischen Ameisen in unserer Natur (oder auch in Gewächshäusern/Botanischen Gärten/Zoos) sind direkt auf Pflanzenhandel oder versehentlichen Transport mit anderen Gütern zurückzuführen.

    Eine Debatte (hier über die Gefahren von exotischen Ameisen) finde ich immer OK, muss man aushalten können. Aber pauschal quasi zu sagen "Ameisenhaltung ist generell Teufelswerk" ist nicht richtig. Man kann ja auch die positive Seite daran würdigen: Dass gerade junge Leute schon sehr früh mit Ameisen in Kontakt kommen und diese auch schätzen lernen. Daran ist nichts verkehrt.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

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