Crematogaster scutellaris ohne Königin als dauerhafte Satellitenkolonie

  • Nachdem ich hier bereits meine Lasius emarginatus vorgestellt habe, möchte ich noch eine etwas ungewöhnlichere Haltungsidee zur Diskussion stellen.

    Crematogaster scutellaris finde ich ausgesprochen interessant. Gleichzeitig habe ich einigen Respekt vor dem enormen Wachstum einer gut laufenden Kolonie. Beim Lesen verschiedener Haltungsberichte ist mir zudem aufgefallen, dass erstaunlich viele Berichte über C. scutellaris nach ungefähr einem Jahr abbrechen. Das bedeutet natürlich nicht, dass auch die jeweilige Haltung beendet wurde. Über Gründung und schnelles Wachstum findet man aber sehr viel, über den Alltag mit einer mehrere Jahre alten und entsprechend großen Kolonie deutlich weniger.

    Daher kam mir die Idee, zunächst einen völlig anderen Weg zu gehen:
    Eine weisellose Gruppe aus etwa 100–200 C. scutellaris-Arbeiterinnen, gewissermaßen als künstliches Satellitennest ohne Königin.

    Die Tiere sollen ein eingerichtetes Becken mit Wurzel, Kletterholz und Stein bekommen. Zusätzlich möchte ich ihnen geeignetes weicheres Holz und Kork als Baumaterial anbieten. Ein fertiges Nest möchte ich bewusst nicht vorgeben. Gerade interessant fände ich, ob und wo sie selbst einen Nestbereich anlegen und möglicherweise ein Kartonnest bauen. Eines der Reagenzgläser, in denen die Arbeiterinnen ankommen sollen, würde zunächst abgedunkelt als Rückzugsmöglichkeit im Becken verbleiben.

    Wasser und Honig bzw. eine andere Kohlenhydratquelle wären selbstverständlich ständig verfügbar.

    Der starke Proteinbedarf einer wachsenden Kolonie sollte ohne Königin und Arbeiterinnenbrut weitgehend entfallen. Protein würde aber keinesfalls grundsätzlich verweigert. Sollte sich am Verhalten der Arbeiterinnen entsprechender Bedarf zeigen oder Brut auftreten, würde natürlich entsprechend gefüttert.

    Damit komme ich zu den Punkten, bei denen das Experiment interessant wird:

    1. Die Gruppe kann sich nicht selbst erhalten

    Ohne Königin entstehen keine neuen Arbeiterinnen. Die Gruppe würde daher durch die begrenzte Lebensdauer der vorhandenen Tiere nach und nach kleiner und ohne Eingriff letztlich aussterben.

    Die langfristige Idee wäre deshalb, einen Halter mit einer größeren C. scutellaris-Kolonie zu finden, der diese Kolonie dauerhaft hält und gelegentlich Arbeiterinnen abgeben könnte. Nachgesetzt würden dabei immer Arbeiterinnen aus derselben Ursprungskolonie, nicht Tiere verschiedener Kolonien.

    Es ginge ausdrücklich nicht darum, den Bestand immer weiter zu vergrößern, sondern eine überschaubare Gruppe zu erhalten. Vor einer längeren Zeit, in der wegen niedriger Temperaturen kein sinnvoller Versand möglich ist, könnte man den Bestand entsprechend etwas stärker auffüllen.

    2. Was machen Crematogaster-Arbeiterinnen bei längerer Weisellosigkeit?

    Das ist für mich die biologisch spannendste Frage.

    Bei Ameisen können weisellose Arbeiterinnen je nach Art unbefruchtete Eier legen, aus denen sich Männchen entwickeln können. Ob und in welchem Umfang das bei C. scutellaris tatsächlich geschieht, konnte ich bisher nicht klären.

    Sollten die Arbeiterinnen Eier legen und daraus Larven aufziehen, wäre natürlich zeitweise wieder Protein erforderlich. Später hätte man gegebenenfalls geflügelte Männchen im Becken.

    Hat jemand von euch schon einmal eine größere Gruppe C. scutellaris-Arbeiterinnen über längere Zeit ohne Königin gehalten? Kam es dabei zur Eiablage? Wurden tatsächlich Männchen aufgezogen?

    3. Ist die dauerhafte Weisellosigkeit für die Arbeiterinnen problematisch?

    Das ist für mich ebenfalls eine wichtige Frage.

    Mir geht es gerade nicht darum, eine vollständige Kolonie durch Proteinrationierung künstlich kleinzuhalten. Die vorhandenen Arbeiterinnen sollen Wasser, Kohlenhydrate und bei erkennbarem Bedarf auch Protein bekommen und ihr normales Arbeiterinnenverhalten ausleben können.

    Ich sehe bislang keinen konkreten Grund, warum das Fehlen einer Königin für die Arbeiterinnen selbst problematisch sein sollte. Falls es dazu aber praktische Erfahrungen oder Erkenntnisse gibt, interessieren mich diese ausdrücklich.

    4. Versand einer größeren Arbeiterinnengruppe

    Auch das dürfte etwas ungewöhnlich sein. 100–200 Arbeiterinnen würde ich nicht in ein einzelnes Reagenzglas setzen lassen, sondern beispielsweise auf mehrere Röhrchen mit jeweils etwa 30–40 Tieren verteilen.

    Gerade bei Crematogaster frage ich mich allerdings, wie eine solche Gruppe auf die unvermeidlichen Erschütterungen beim Transport reagiert. Wenn viele Tiere gleichzeitig in Alarmbereitschaft geraten und Wehrsekret abgeben, könnte eine hohe Besatzdichte in einem Reagenzglas möglicherweise problematisch werden.

    Auch hierzu würden mich praktische Erfahrungen interessieren: Hat jemand schon einmal größere Gruppen von C. scutellaris-Arbeiterinnen verschickt? Wie viele Tiere würdet ihr maximal gemeinsam in einem Reagenzglas transportieren und reicht ein normaler Wattestopfen für den Luftaustausch?

    Meine Hauptfragen wären also:

    • Hat jemand praktische Erfahrungen mit länger weisellosen C. scutellaris-Gruppen?
    • Legen die Arbeiterinnen dann Eier und werden daraus tatsächlich Männchen aufgezogen?
    • Gibt es aus Sicht des Tierwohls einen konkreten Einwand gegen eine solche Haltung?
    • Wie würdet ihr 100–200 Arbeiterinnen möglichst sicher transportieren?
    • Und gibt es hier vielleicht sogar Halter einer größeren, langfristig bestehenden C. scutellaris-Kolonie, die sich grundsätzlich vorstellen könnten, gelegentlich Arbeiterinnen für ein solches Projekt abzugeben?

    Mir ist klar, dass das nicht der übliche Zweck einer Ameisenhaltung ist. Gerade deshalb interessiert mich, ob gegen das Konzept konkrete biologische oder praktische Gründe sprechen oder ob es in erster Linie einfach eine ungewöhnliche Form der Haltung wäre.

  • Hallo,

    ohne eine Königin gerät das ganze Gleichgewicht einer Kolonie durcheinander. Du darfst dir das nicht so vorstellen das sie genau gleich weiter machen, wie mit Königin. Ohne Königin und Brut fehlen den Arbeiterinnen ihre Aufgaben.

    Es gibt eine interessante Untersuchung von Casevitz-Weulersse aus dem Jahr 1991 über die Reproduktion und Entwicklung von Crematogaster scutellaris. Dabei wurde festgestellt, dass die Arbeiterinnen dieser Art normalerweise keine Eier legen. Interessanterweise konnten allerdings junge Arbeiterinnen in Abwesenheit der Königin und bei vorhandenen Larven fettreiche Tropfen produzieren, die vermutlich als Futter für die Larven dienen (Trophallaxis bzw. trophische Eier).

    Was darauf schließen lässt das sie ohne Brut nur noch herumsitzen würden und nichts mehr machen würden. Vielleicht ab und an mal zum Zuckerwasser oder Honig, aber das war es.

    Ich hatte zwei Kolonien bei der die Königin verstorben ist.

    Einmal Camponotus ligniperda, bei der waren ziemlich schnell mal Eier da, welche Arbeiterinnen es waren hab ich nicht gesehen. Da wurden dann auch Männchen aufgezogen und nach dem schlüpfen auch ziemlich bald wieder getötet. (wäre auch die falsche Zeit zum fliegen gewesen), Anschließen sind keine Eier mehr gelegt worden. Einige Arbeiterinnen lebten noch einige Jahre, aber wenn man rein gesehen hat, war es wirklich wie ein Standbild, Viel bewegt haben sich diese nicht mehr.

    Die andere waren Lasius niger, das war wirklich schon eine große Kolonie mit mehren tausend Arbeiterinnen, Die haben ziemlich schnell angefangen sich gegenseitig zu töten und innerhalb einer Woche lebte keine mehr.

    Ich verstehe auch nicht ganz, warum du bei der Haltung von Crematogaster scutellaris einigen Respekt hast, aber bei Lasius emarginatus nicht. Bei mir wäre es gefühlt, fast umgekehrt.

    Ich würde dir davon abraten, ich glaube das da nicht viel interessantes herauskommen würde.

    Einmal editiert, zuletzt von fink2 (6. November 2026 um 16:12)

  • Hi Kellerameise

    Na jetzt wird es interessant. Gehen wir es Schritt für Schritt durch. Mal wieder ein Roman, aber ich schätze dich mal so ein, dass das für dich ok geht.


    Crematogaster scutellaris finde ich ausgesprochen interessant. Gleichzeitig habe ich einigen Respekt vor dem enormen Wachstum einer gut laufenden Kolonie. Beim Lesen verschiedener Haltungsberichte ist mir zudem aufgefallen, dass erstaunlich viele Berichte über C. scutellaris nach ungefähr einem Jahr abbrechen. Das bedeutet natürlich nicht, dass auch die jeweilige Haltung beendet wurde. Über Gründung und schnelles Wachstum findet man aber sehr viel, über den Alltag mit einer mehrere Jahre alten und entsprechend großen Kolonie deutlich weniger.

    Generell kann man das Koloniewachstum durchaus sehr gut steuern, wie du selbst gelesen hast. Man gibt einfach deutlich weniger Proteine. Die adulten Tiere laufen quasi fast ausschließlich auf Kohlenhydraten. Die Proteine sind für die Brut, v.a. Eientwicklung in der Königin, sowie die größte Menge für die Fütterung der Larven. Reduziert man das Protein stark, wird beides deutlich herabgesetzt.

    Daher schon gleich eine Gegenfrage: Warum die Königin weglassen? Warum dem Volk seinen Kern nehmen?
    Platzgründe? Angst vor Überforderung? Im Endeffekt wird der Grund, warum Berichte abbrechen häufiger, als einem lieb ist, irgendeine Problematik sein, die zum teilweise oder ganzen Absterben der Kolonie geführt hat. DAS liest man aber nicht so häufig, es will sich ja keiner eine Blöße geben. Leider muss man schon feststellen, dass viele Kolonien in der Haltung nur wenige Jahre schaffen. Spoiler: Das geht auch erfahrenen Haltern immer wieder mal so. Man hat einfach auch mal unglückliche Fälle, bei bester Haltung, wo die Königin nach 2-3 Jahren stirbt und dem Rest der Kolonie geht es blendend.

    Satellitenkolonie meinst du wie genau? Die sind einzeln gehalten? Klingt irgendwie sonst wie Vergesellschaftung. Das ginge nur mit Camponotus lateralis.


    2. Was machen Crematogaster-Arbeiterinnen bei längerer Weisellosigkeit?

    Das ist für mich die biologisch spannendste Frage.

    Bei Ameisen können weisellose Arbeiterinnen je nach Art unbefruchtete Eier legen, aus denen sich Männchen entwickeln können. Ob und in welchem Umfang das bei C. scutellaris tatsächlich geschieht, konnte ich bisher nicht klären.

    Sollten die Arbeiterinnen Eier legen und daraus Larven aufziehen, wäre natürlich zeitweise wieder Protein erforderlich. Später hätte man gegebenenfalls geflügelte Männchen im Becken.

    Hat jemand von euch schon einmal eine größere Gruppe C. scutellaris-Arbeiterinnen über längere Zeit ohne Königin gehalten? Kam es dabei zur Eiablage? Wurden tatsächlich Männchen aufgezogen?

    Ich schätze, dass Crematogaster scutellaris vermutlich (!) eher zu den Arten gehört, bei denen eine etwaige Eiablage überhaupt keine Rolle spielt.

    Der Grund ist relativ simpel: Um fruchtbar zu werden, müssen die Ovarien nach Wegfall gewisser Pheromone der Königin - diese haben auch eine unterdrückende Wirkung - nachreifen. Wenn die aber so verkümmert sind, wie bei den meisten (moderneren) Ameisenarten, dann passiert da einfach gar nichts. Eine Königin zu haben ist eine spätere, evolutionäre Entwicklung. Reproduktive Arbeiterinnen findet man gehäuft bei Urameisen und anderen evolutionär älteren Arten.

    Man muss sich da einfach wieder mal bewusst machen, dass die genetische Grundlage zwischen Arbeiterin und Königin erstmal die selbe ist - und nur durch eine Fütterung im Larvenstadium die div. Gene so aktiviert werden, dass die Körper dann doch oft sichtbar massiv voneinander abweichen. Größe, Flugmuskulatur, Ovarien, Spermathek, solche Sachen. Da passiert später, im adulten Alter, sehr wenig. V.a. hat der Körper auch keinen Platz für ausgereifte Eierstöcke usw.

    Was bei Arbeiterinnen zudem sehr oft fehlt, selbst wenn die Ovarien sogar ein wenig funktional sind: Eine Spermathek, um überhaupt Samen aufzunehmen und dann auch zu speichern. Sprich: Selbst wenn Männchen herangezogen werden, findet später trotzdem keine (sinnige) Verpaarung statt.

    Es gibt bei Crematogaster wohl auch Arten, die nach dem Tod der Königin Eier legen (Crematogaster pygmaea, Crematogaster smithi). Zu Crematogaster scutellaris habe ich nichts gefunden. Man kann bei Ameisen in der Gattung auch nur sehr wenig aufeinander übertragen - Verhaltensweisen sind meist ein artspezifisches Ding.

    Man beobachtet allerdings bei Ameisen auch sog. "Policing". Sprich: Da findet eine Kontrolle zwischen Arbeiterinnen statt und z.B. auch mal Eier anderer Arbeiterinnen beseitigt oder gefressen. Dieses Verhalten kennt man auch von anderen eusozialen Insekten. Das "Policing" führt am Ende auch bei gewissen Arten zu den Kämpfen der Arbeiterinnen untereinander - die Stärksten setzen sich durch und werden dann zur Gamergate (explizit nur als Beispiel, nicht auf Crematogaster bezogen, die gibt´s da nicht). Bei anderen hingegen führt das echt, wie fink2 schon sagte, zu richtigen Kämpfen mit hoher Todesrate. Aber eben niemals zu einer reproduktiven Arbeiterin.

    Also zusammengefasst: Die Eiablage, wenn sie überhaupt erfolgt, hat meist gar keinen Effekt. Dann sitzen da halt, wenn überhaupt, noch ein paar Männchen rum.


    3. Ist die dauerhafte Weisellosigkeit für die Arbeiterinnen problematisch?

    Das ist für mich ebenfalls eine wichtige Frage.

    Mir geht es gerade nicht darum, eine vollständige Kolonie durch Proteinrationierung künstlich kleinzuhalten. Die vorhandenen Arbeiterinnen sollen Wasser, Kohlenhydrate und bei erkennbarem Bedarf auch Protein bekommen und ihr normales Arbeiterinnenverhalten ausleben können.

    Ich sehe bislang keinen konkreten Grund, warum das Fehlen einer Königin für die Arbeiterinnen selbst problematisch sein sollte. Falls es dazu aber praktische Erfahrungen oder Erkenntnisse gibt, interessieren mich diese ausdrücklich.

    Die Königin hat eine gewisse Wirkung auf die Arbeiterinnen, durch unterdrückende Pheromone. Ohne Königin kann es tatsächlich zu Konflikten kommen. Ob das bei Crematogaster scutellaris der Fall ist, kann ich leider nicht sagen, da fehlt mir auch die Erfahrung und Berichte dazu. Höhere - oder sogar niedrigere - Sterblichkeit der Arbeiterinnen kennt man. Aber meistens ist es einfach so, dass die Arbeiterinnen weiter ihr Ding machen - das Volk aber mit der Zeit eben bis zum Absterben schrumpft. Und das führt mit der Zeit auch dazu, dass die Aktvität der Kolonie extrem zurück geht. Ist ja auch klar: Keine Brutversorgung mehr, kaum mehr Nahrungsmittelbedarf (Nahrungsverbrauch sinkt auch immer weiter durch sinkende Aktivität), es müssen keine Kammern für eine wachsende Kolonie angelegt werden, etc.pp., das Volk wird immer kleiner, damit auch die Territorialität - und der Erkundungsdruck.

    Sprich: Mag sein, dass so eine Kolonie über die Zeit fast nur noch rumsitzt.

    Was man auch bedenken muss: Bei Crematogaster scutellaris ist die Lebenserwartung nicht sehr hoch. Die Arbeiterinnen werden nur einige Monate, bis 2 Jahre alt. Die "Kolonie" wird also sehr schnell, sehr stark schrumpfen.


    4. Versand einer größeren Arbeiterinnengruppe

    Auch das dürfte etwas ungewöhnlich sein. 100–200 Arbeiterinnen würde ich nicht in ein einzelnes Reagenzglas setzen lassen, sondern beispielsweise auf mehrere Röhrchen mit jeweils etwa 30–40 Tieren verteilen.

    Gerade bei Crematogaster frage ich mich allerdings, wie eine solche Gruppe auf die unvermeidlichen Erschütterungen beim Transport reagiert. Wenn viele Tiere gleichzeitig in Alarmbereitschaft geraten und Wehrsekret abgeben, könnte eine hohe Besatzdichte in einem Reagenzglas möglicherweise problematisch werden.

    Auch hierzu würden mich praktische Erfahrungen interessieren: Hat jemand schon einmal größere Gruppen von C. scutellaris-Arbeiterinnen verschickt? Wie viele Tiere würdet ihr maximal gemeinsam in einem Reagenzglas transportieren und reicht ein normaler Wattestopfen für den Luftaustausch?

    Ich habe mal eine 200-Tiere-Kolonie bekommen, war kein Ding. Es ist schon echt lange her, aber ich meine, die wurden in mehreren RGs verschickt. Ganz normale Dinger, Wattestopfen vorne drauf, entweder war es einfach normale Watte oder so ein konischer Stopfen. Großartige Ausfälle hab ich da keine wahrgenommen. So oder so sollte das nicht zu fest gestopft sein, um eine Luftzirkulation zu gewährleisten (aber fest genug, dass die auch mal 2-3 Tage daran arbeiten können, ohne, dass es zum Ausbruch kommt).

    Die Tiere sind ja auch nicht komplett blöd- Erschütterungen machen Ameisen immer total nervös, aber normalerweise raffen die schon, dass es gerade keinen Feind zu attackieren gibt. Sonst könnte man fast keine Ameisenart verschicken, zumindest nicht die, die auch viel Säure abgeben (Camponotus, Formica!). Ja, es kommt vor, dass Kolonien sich selbst schädigen. Aber ist auch kein Standard. Und dann mEn eher bei Arten, die einfach viel Säure ungezielt abgeben - das ist toxisch. Aber Crematogaster scutellaris stechen gezielt, was innerhalb der Kolonie sehr sehr unwahrscheinlich ist. Die prüfen ja anhand des Geruchs: Gehörst du zu mir? Wenn nicht, wird gestochen. Und das Wehrsekret dient ja erstmal nur der Alarmierung - ggf. ist das gar nicht so toxisch.


    Und gibt es hier vielleicht sogar Halter einer größeren, langfristig bestehenden C. scutellaris-Kolonie, die sich grundsätzlich vorstellen könnten, gelegentlich Arbeiterinnen für ein solches Projekt abzugeben?

    Ich schätze, das wird schon eher ein Problem. Überhaupt Halter mit großen Kolonien zu finden, die dann auch noch was abzwacken wollen. Im Sinne der Populationskontrolle ist das eher ein ungewöhnliches Mittel. Die meisten Halter wollen ja auch eine stattliche, große Kolonie haben. Oder aber - sehr realistisch - hat man irgendwann dann eben Probleme mit starken Rückgängen, die man gar nicht möchte. Wenn die Haltung in den letzten, sagen wir 25 Jahren eines gezeigt hat, dann dass natürliche Kolonien und gehaltene Kolonien doch häufig ziemlich voneinander abweichen in Größe, Lebensdauer, etc.; heißt: die meisten Halter kämpfen irgendwann eher mit Volkssterben, als mit explosivem Wachstum.


    Gerade interessant fände ich, ob und wo sie selbst einen Nestbereich anlegen und möglicherweise ein Kartonnest bauen.

    mWn kommt in der Haltung eher eine Verengung von Gängen vor, als eine Art wirklich wahrnehmbares Kartonnest. V.a. muss man sehen, wie viel Kapazitäten dadurch gebunden werden. Ich bin relativ sicher, dass solche Kartonnester - wenn überhaupt - sicher nur bei sehr großen, älteren Kolonien vorkommen werden. Das ganze Zeug herzubringen, zu zerkauen, wieder irgendwie sinnvoll zusammen zu bauen werden kleine Kolonien nicht leisten können (oder "wollen"). Die sind mit Überleben beschäftigt, Nahrung finden, sich überhaupt behaupten. Die Standardnestform - in der Natur - sind hohle Äste oder andere, natürliche Hohlräume v.a. in Holz. Von dem Blickwinkel betrachtet, macht das "Kartonenst" dann auch bei wachsender Kolonie wieder einen Sinn. Vermutlich sollen einfach Räume besser genutzt werden. Die Höhe einer Kammer bringt den Ameisen quasi nichts. Wir Halter bauen gerne Nester mit riesigen Kammern. In der Natur kann man die Kammern meist kaum von den Gängen unterscheiden.

    Sprich: Wird der Platz rar, macht es Sinn, sich Etagen einzuziehen. Das geht im Erdreich naturgemäß leichter, als in einem Ast, der ja an sich schon sehr begrenzt ist.


    Man hat es vielleicht rausgelesen: Ich würde eher zu einer funktionalen Kolonie raten. Auch gerade in Hinblick auf die Aktivität.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

    4 Mal editiert, zuletzt von ice_trey (6. November 2026 um 15:24)

  • Meinst du im letzten Satz das Gegenteil, Fink? Also nicht viel interessantes.


    Man würde halt wirklich den Arbeiterinnen den Sinn rauben. Sie kümmern sich um Königin, Brut, ihr Nest, gehen auf Nahrungssuche . Die eigentlichen Aufgaben fallen weg.


    Auch für den Spender könnte es bedenkliche Einschnitte in seiner Kolonie geben, wenn er immer wieder Arbeiterinnen weg nimmt. Und ob das jemand kostenlos macht, könnte für dich auch kostspielig sein.

  • Zu ice_trey seinen Argumenten. Man kann eine Kolonie zwar einschränken ist aber dann auch wieder die Frage wie artgerecht oder würdig das ist, wenn man sie zu sehr einschränkt.


    Berichte enden auch eher aus Zeitgründen. Es ist ziemlich alles niedergeschrieben. Statt Haltungsberichte zu lesen, nutzen die meisten heute eher KI um Antworten zu bekommen. Das Interesse für Haltungsberichte nimmt ab. KI liefert einem viel schnellere Ergebnisse, als sich durch zig Haltungsberichte zu lesen.

    Bei Messoren kenn ich aktuelle Haltungsberichte vom "Ameisen an die Macht" Discord, wo Arbeiterinnen Eier legen, aus denen Männchen schlüpfen. Also neben Ponerinen sogar bei Messoren zu beobachten . Sogar Jungköniginnen werden da noch aufgezogen, scheinbar noch aus der Königinnenbrut.

  • Danke euch erstmal für die Antworten. Zwei konkrete Informationen helfen mir schon einmal sehr weiter: Die Arbeiterinnen von C. scutellaris legen offenbar keine reproduktiven Eier, und der Versand einer größeren Gruppe in mehreren normalen Reagenzgläsern wurde hier bereits problemlos praktiziert.

    Ein paar Punkte meiner Motivation sind aber offenbar noch nicht ganz klar geworden:

    Mein Respekt vor C. scutellaris betrifft vor allem die Kombination aus enormem Wachstum, möglichen Koloniegrößen von 10.000+ Tieren und einem wesentlich stärkeren Erkundungs- und Ausbruchsverhalten als bei meinen Lasius emarginatus.

    Eine vollständige Kolonie mit Proteinsteuerung hatte ich zuerst erwogen. Antstore hat mir davon allerdings eher abgeraten. Nach deren Einschätzung lässt sich der starke Expansionsdrang dadurch nicht unbedingt zuverlässig begrenzen. Wenn es hier explizit zu den Crematogastern andere Erfahrungen gibt, wäre das eine wertvolle Information..

    "Ohne Königin verlieren die Arbeiterinnen ihren Sinn" überzeugt mich ebenfalls noch nicht. Natürlich entfallen Königin- und Brutversorgung. Weisellose Kolonien können aber durchaus Monate oder sogar Jahre weiterleben: Die Arbeiterinnen laufen, fressen und trinken, pflegen und füttern sich gegenseitig. Ob das bei den Crematogastern ebenfalls so ist, konnte ich nirgendwo verifizieren.

    Genau das möchte ich eigentlich herausfinden: Bleiben C. scutellaris in einer solchen Gruppe aktiv, nur ohne den permanenten Proteinbedarf einer wachsenden Kolonie? Meine Idealvorstellung wäre gewissermaßen ein "Luxus-Ruhestand" mit Erkundung, Klettern, Honig, Wasser und gegenseitiger Pflege. Wenn sie dagegen nach kurzer Zeit nur noch weitgehend inaktiv im Nest sitzen, wäre das Experiment aus meiner Sicht nicht mehr wirklich erfolgreich.

    Bine Was meinst Du mit "die Kolonie ist schnell eingebrochen"? Saßen die Arbeiterinnen inaktiv im Nest? Haben sie sich umgebracht? Sind sie verfrüht gestorben?

    Mit "Satellitennest" meinte ich dabei lediglich: eine von der Ursprungskolonie getrennte Arbeiterinnengruppe. Aufgestockt würde immer aus derselben Kolonie.

    Zum möglichen "Selbstvergasen" beim Versand : Crematogaster scutellaris stechen meines Wissens nicht in dem Sinne gezielt zu, wie hier beschrieben wurde. Ihr typisches Abwehrverhalten besteht gerade darin, den Gaster nach vorn bzw. oben zu klappen und Wehrsekret über den Stachelapparat abzugeben. Meine Sorge war deshalb nicht, dass sich Arbeiterinnen derselben Kolonie gegenseitig stechen, sondern dass in einem dicht besetzten Reagenzglas durch Erschütterungen mehrere Tiere gleichzeitig alarmiert werden, Wehrsekret abgeben und sich die Alarmreaktion innerhalb der Gruppe verstärkt. Von solchen Problemen durch Wehrsekrete beim Ameisenversand hatte ich bereits gelesen. Ob das ausgerechnet bei C. scutellaris und 30–40 Arbeiterinnen pro Reagenzglas praktisch relevant ist, war genau meine Frage. Der hier geschilderte problemlose Versand einer größeren Gruppe ist deshalb für mich eine hilfreiche praktische Erfahrung.

    Und beim möglichen Spender sehe ich durchaus eine Chance. Es gibt auch Halter, die bei übergroßen Kolonien Arbeiterinnen gezielt töten, um den Bestand zu begrenzen. Genau das möchte ich vermeiden. Bei einer stabilen Kolonie mit mehreren tausend Arbeiterinnen sollte eine gelegentliche Entnahme einer vergleichsweise kleinen Gruppe außerdem anders zu bewerten sein als bei einer kleinen oder ohnehin rückläufigen Kolonie.

  • Meine Kolonie wurde immer inaktiver, mochte auch nicht mehr viel Nahrung annehmen und es kam dann zum Massensterben

    Der Antstore könnte nicht Unrecht haben. Es ist auch bei Messor Kolonien zu beobachten, die man einschränkt, indem man sie nur noch mit Körnern füttert, dass sie trotzdem weiter stark wachsen.

    Eine Kolonie in der Nahrung einzuschränken führt häufig zu erhöhten Ausbruchsversuchen. Dass sie ohnehin schon Künstler im ausbrechen sind, zeigt das Video

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    Beide Arten nehmen sich wahrscheinlich in unterschiedlicher Weise nichts vom Potenzial. Bei Nichthaltern ist Lasius emarginatus eine häufige Schadameise im Haus, deren Bekämpfung oft zur Verzweiflung führt.

    Hier auch ein Beispiel wo ein Halter von ihnen überfallen wurde, also waren nicht seine eigenen Ameisen


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