Besserer Ausbruchschutz

  • Hallo,


    ich habe inzwischen eine recht große Lasius niger Kolonie. Größe kann ich nur schätzen eventuell 2.000.


    Wie sicher sind denn die normalen Deckel, in der Mitte mit einem Streifen Gaze und gewinkelten Rändern im Vergleich zu den Rahmendeckeln mit dem Glasdeckel oben drauf inklusive der zwei Bohrungen für Licht oder was auch immer man mag. Beides gibt es im Antstore z.b.


    Mein Problem, dass die Lasius jeden Ölfilm den ich am Rand auftrage innerhalb von sehr kurzer Zeit überwinden und dann innen am Deckel rumwuseln, besonders an den Rändern.

    Demnächst wollte ich auch Talkum ausprobieren, schätze aber das Parafin sie besser in Schach hält.


    Wenn so ein Rahmendeckel eventuell sicherer ist wäre ein Wechsel möglich. Mein Gedanke ist, dass ich das Öl ja im Rahmendeckel kopfüber auftragen kann und sie dadurch mehr Probleme bekommen. Allerdings hat dieser Deckel ja keine angewinkelten Ränder. Oder kann man gar Rahmendeckel + Standarddeckel nutzen?


    Hat da jemand Erfahrungen, oder andere Tipps zum Ausbruchschutz?

  • ice_trey

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  • Hi Kryolan,


    wieder ein bisschen ausführlicher, auch für potentielle Mitleser:


    Ich habe so einen "Rahmendeckel" im Einsatz, der ist schon ein paar Jahre alt. Probleme gab es soweit nie. Vorausgesetzt das verkaufte System ist immer noch das selbe, sieht das von unten dann so aus (Klicken um das ganze Bild zu sehen):



    Man sieht, dass dort ein Schaumstoff-Isolierstreifen angebracht ist (selbes Zeug, wie man an Türen/Fenster anbringen kann). Somit liegt der Deckel immer plan und lückenlos auf dem Becken auf. Diese Deckel funktionieren soweit gut, aber natürlich gibt es ein gewisses Risiko, dass ggf. die Ameisen am Schaumstoff nagen. Bei mir ist das soweit nie passiert, aber ausgeschlossen ist es nicht.


    Eine Ölsperre könnte man hier natürlich auch am Glas anbringen, um ein lästiges Laufen kopfüber am Deckel zu verhindern (Kontakt zum Schaumstoff besser vermeiden, das saugt sich damit voll). Entkommen könnten die Ameisen aber auch ohne das Öl wegen der feinen Metallgaze nicht. Da geht es - wie bei dir - wirklich eher um die Handhabung. Die Schwachstelle bei diesem Deckeltyp ist wie gesagt der Isolierstreifen, den man immer wieder mal checken sollte. Und eigentlich sollte die Sperre am Beckenrand auch so gut funktionieren, dass der Deckel gar nicht erst belaufen wird :S



    Mein Problem, dass die Lasius jeden Ölfilm den ich am Rand auftrage innerhalb von sehr kurzer Zeit überwinden und dann innen am Deckel rumwuseln, besonders an den Rändern.

    Demnächst wollte ich auch Talkum ausprobieren, schätze aber das Parafin sie besser in Schach hält.

    Ggf. schaffst du es, ein Foto des Ölstreifens zu zeigen. Viele Halter tragen das Öl viel zu dick auf, in der Annahme, dass recht viel Öl auch viel hilft. Das ist aber ein Trugschluss, da viel Öl sich einfach gerne zu mehr oder weniger großen Tröpfchen zusammenzieht - und die Ameisenfüße finden in den Leerstellen dazwischen Halt. Eigentlich sollten korrekt angebrachte Ölsperren auch bei größeren Kolonien einige Wochen halten. Die Ölsperre sollte wirklich hauchfein sein. Zudem - sofern das Paraffinöl irgendwo im Handel erworben wurde - sollte das dickflüssig sein. Es gibt auch dünnflüssiges Paraffin, das funktioniert für die Ausbruchssicherung aber nicht gut.


    Dauerhaftes Bearbeiten der Ausbruchssperre kann auch ein Zeichen für Platzmangel sein - die Ameisen versuchen dann zwanghaft und sehr energisch, ihr Territorium zu erweitern. Das funktionier für sie eben dann so, dass sie an den äußersten Rändern ihres Refugiums nach weiteren Wegen suchen. Wie groß ist das Formicarium denn?


    Talkum nutze ich persönlich sehr gern, aber bei großen Kolonien nutzt es sich schon relativ schnell ab. Es bröselt ja immer wieder etwas weg. Während eine Ölschicht eigentlich, bis sie verharzt/austrocknet recht gleich bleiben sollte, gibt es bei Talkum also schon einen sichtbaren Abnutzungseffekt. Ich kann dich aber nur motivieren, Talkum mal zu testen. Kostet ja nicht viel und ich finde es funktioniert sehr gut (außer die Arena ist sehr feucht, z.B. Tropenformi)


    Oft gelesen, aber recht wenig genutzt ist auch PTFE. Das ist sehr sehr wartungsarm und soll auch ein Jahr halten. Ist aber etwas tricky in der Handhabung. Habe dazu - leider - auch keine eigenen Erfahrungen.



    Wenn so ein Rahmendeckel eventuell sicherer ist wäre ein Wechsel möglich. Mein Gedanke ist, dass ich das Öl ja im Rahmendeckel kopfüber auftragen kann und sie dadurch mehr Probleme bekommen. Allerdings hat dieser Deckel ja keine angewinkelten Ränder. Oder kann man gar Rahmendeckel + Standarddeckel nutzen?

    Mit Standarddeckel meinst du sowas hier, nehme ich an: https://www.antstore.net/shop/…g-20x10-product-5123.html


    Was hält dich davon ab, dort Öl kopfüber anzubringen? Ich habe so einen Deckel nicht bei mir, kann ihn als nur auf dem Foto bewerten. Aber sieht doch so aus, als könnte man das dort auch problemlos machen? Den Deckel noch mit Ausbruchsschutz abzusichern ist sicher ein adäquater Weg, um ein Belaufen des Deckels zu vermeiden - die eigentlichen Schwachstellen, Lücken zwischen den Glaskanten, sind aber natürlich ggf. kritisch, sobald die eigentliche Sperre am Beckenrand nicht mehr funktioniert. Hauptaugenmerk sollte also sein, diese in den Griff zu bekommen.


    Der Rahmendeckel bei mir hat etwas Spiel zu den Seiten, ob der aber noch über den Standarddeckel passt, müsste man probieren.



    [...] mit dem Glasdeckel oben drauf inklusive der zwei Bohrungen für Licht oder was auch immer man mag. Beides gibt es im Antstore z.b.

    Die Bohrungen beim Antstore haben standardmäßig 50 mm und sind für diverse Einsätze gedacht. Man kann dort z.B. ein Gitter anbringen (also passive Belüftung, so wie bei den Rahmendeckeln mit der Gaze in der Mitte):

    https://www.antstore.net/shop/…---fein-product-5173.html


    Oder aber sogar eine aktive Belüftung: https://www.antstore.net/shop/…et-product-5130-5191.html


    Hoffe, das erklärt die Löcher ^^



    Also nochmal zum Weiterhelfen die Fragen:

    - Ggf. Foto der Ölsperre möglich? Ist das Öl hauchfein aufgetragen?

    - Wie groß ist das Formicarium?

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

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  • Hi,



    Mein Problem, dass die Lasius jeden Ölfilm den ich am Rand auftrage innerhalb von sehr kurzer Zeit überwinden und dann innen am Deckel rumwuseln, besonders an den Rändern.

    Ja das kenne ich, teilweise rennen Sie immer wieder auf das Öl und tragen es so ab. Dann kann man fast täglich erneuern.

    Das einzige was mir wirklich geholfen hat, noch einmal einen Lexanrahmen auf der Arena drauf und den von unten mit Parafinöl bestrichen.

    Kopfüber tun Sie sich erheblich schwerer.


  • Hallo ihr Beiden,


    vielen Dank für eure Antworten und vorallem für diese sehr ausführliche von dir ice_trey.


    Möglicherweise trage ich das Paraffin tatsächlich zu dick auf, da sich auf jeden Fall Tropfen bilden. Ich werde mal versuchen das auszudünnen mit etwas Küchenpapier. Insbesondere in den Ecken kommen Sie immer schnell drüber. Auch werde ich versuchen mal über Kopf Paraffin anzubringen.


    Schlimm ist das Ganze nur in meinem neuen Formicarium. Das ist 20x20x20 cm und zu zwei Drittel mit Sand-Lehm-Gemisch gefüllt. Dadurch sind die Ameisen sowieso schon sehr hoch oben am Deckel.In den anderen Becken sind sie eher selten dabei die Scheiben hochzuklettern. Nur wenn ich im Becken rumwerkel oder sie füttere.


    Mit dem 20x20 Becken habe ich versucht Ihnen mal ein Erdnest anzubieten, weil alle Ytong oder Plastiknester kaum angenommen werden. Die Kolonie ist jetzt im dritten Jahr, und schon seit letztem Jahr geradezu explosiv am wachsen, aber Sie leben immer noch im Starterreagenzglas. Ok, das sind inzwischen sechs Reagenzgläser voller Ameisen und Brut, aber inzwischen ohne Wasser und teilweise auch mit schwarzem Schimmel aber woanders wollten sie nie rein. Das neue Erdnest haben sie zumindest schon mal ordentlich durchgegraben.


    Aktuell habe ich vier Formicarien für die Lasius: 2 x 30x20, 1 x 40x20 und 1 x das 20x20. Höhe überall 20cm und überall wuselt es.

  • Was dir jetzt weniger helfen wird, aber im Frühling wenn es noch kühler ist, hab ich Lasius niger sehr leicht mit einer Heizmatte, immer zum umzog bewogen.


    Das Problem ist, jedes befeuchtete Nest ist immer kühler, wie ausgetrocknete Reagenzgläser.

    Lasius niger sind durchaus in der Lage ab einer gewissen Größe, ihr Nest selber zu befeuchten, alleine Trockenheit bewegt Sie dann nicht mehr zum Umzug.


    Nach dem was ich lese, dürften Sie genügend Platz haben, Lasius niger wird als Einsteiger Art geführt, aber wenn sie mal in die tausende gehen,

    handelt es sich wirklich um eine anspruchsvolle Art.


    Vielleicht könntest du uns noch ein paar Bilder zeigen, wie das Volk lebt, so das wir uns ein besseres Bild machen können.

  • Es ist generell besser wenn das Öl an der Deckel Unterseite angebracht wird, denn dadurch wird auch allgemeiner Staub nicht so schnell darin aufgenommen, was nach einer gewissen Zeit bei Seitenwänden der Fall ist. Der Staub kann dann selbst als Brücke dienen und es muss erst gar nicht bis zur "Austrocknung" dauern.

  • Hallo,


    bitte entschuldigt die späte Rückantwort, aber gesundheitlich läuft dieses Jahr bei mir absolut bescheiden.

    Hier habe ich mal drei Bilder zu der Anlage mit den Lasius niger.



    Das ist die gesamte Anlage. Vier Becken. Unten das Erdnest und das hintere linke Becken ist das ursprüngliche Nestbecken. Die anderen Beiden sind eigentlich nur Arenen.



    Hier das Erdnest. Ich weiss zu grober Ölfilm. Werde ich gleich noch etwas säubern. Ansich öffne ich dieses Becken aber kaum. Inzwischen sind hier auch keine Arbeiterinnen mehr mit Ausbruchversuchen beschäftigt. Das war scheinbar nur die ersten Tage so.


    Links im Schlauch sieht man viele Arbeiterinnen sitzen. Der Schlauch geht innen, unten durch das Becken durch und wird dort wahrscheinlich genauso voll besetzt sein, denke ich. In der Mitte im Becken geht dann von diesem Schlauch ein Abzweig nach oben ab durch den die Ameisen in das Becken gelangen.


    Hier das ursprüngliche Nestbecken. Das untere weiße Nest wird nur als Müllplatz verwendet und wurde noch nie bewohnt. Darauf ist ein kleines Becken, dies war mein Anfangsbecken. Dort sind vier Reagenzgläser, seit langem bereits ohne Wassertank, plaziert. Eines davon war das Gründungsnest. Bis vor einigen Wochen war dies nun zwei Jahre lang das Zuhause der Königin. Nun sitzen dort nur noch einige hundert Arbeiterinnen.


    Die Brut wurde komplett in das Erdnest gebracht. Da die Königin nicht mehr zu finden ist, denke ich, dass diese nun auch im Erdnest sitzt.


    Soweit der kleine Einblick. Deckel sind alle dicht. Ausbrüche gibt es keine, ausser manchmal beim Füttern.


    Wenn ihr Fragen habt, dann sehr gern :)


    Danke nochmals für eure Hilfe.

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