Würdet ihr das empfehlen?

  • Hallo Ameisenfreunde,

    ich bin nun schon seit einiger Zeit im Bereich der Ameisenhaltung tätig. Vor einigen Tagen habe ich die Art Liometopum microcephalum entdeckt und ein bisschen recherchiert:

    Die westliche Samtameise, wie sie von vielen genannt wird, kommt im Westen bis Osten Europas vor. Sie wird wegen ihrem robusten Kopf und Mandibeln oft mit einer Rossameise verwechselt. Man kann sagen, dass diese Ameise auch ein klein bisschen polymorphismus zeigt, da es in der Tat wie bei Rossameisen auch majore oder zumindest grössere Arbeiter gibt. Die Art hat einen schwarz- Silber glänzenden gaster, der auch behaart ist. Der Thorax ist orange bis braun, was von Ameise zu Ameise stark variieren kann. Der Kopf ist, wie schon gesagt, sehr breit und bräunlich gefärbt. Manchmal kann der Kopf auch einen leicht rostig Farben oder roten Eindruck machen. Die Mandibeln fand ich bei der Art sehr schön, da sie sehr groß und dick sind. Die Samtameise lebt gerne in feuchten wäldern, vorwiegend in Eichen.

    Ich mag Ameisen die sehr gross und robust sind. Ein grosser Kopf und starke Mandibeln dürfen da natürlich nicht fehlen. Allerdings gibt es auch andere Arten die sehr interessant sind. Einige meiner liebsten Arten sind:

    Camponotus ligniperda

    Camponotus vagus

    Camponotus ligniperda

    Formica fusca

    Formica sanguinea

    Tetramorium caespitum

    Und neuerdings: Liometopum microcephalum


    Ich wollte euch fragen, ob ihr denkt, dass Liometopum microcephalum für einen Menschen mit drei Jahren Erfahrung in der Haltung von Ameisen und Faszination seit Ewigkeiten gut zu halten sind?

    Ich habe selber ein wenig nachgesehen und mich informiert, dennoch fand ich geteilte Meinungen. Viele antshops und Google sagen es sei eine schwer zu haltende Art. Andere sagen es wäre leicht. Da ich die Art noch nie hatte aber gern haben würde, Frage ich mal hier.

    Lg flottelasius 🐜

    Edited once, last by ice_trey (April 7, 2026 at 11:41 AM).

  • Hi Flottelasius


    Du bist ja jemand, der sich schon gut mit Ameisen beschäftigt und sich auch schlau macht. Dass du eine Einschätzung holst, ehrt dich schonmal.

    Das Problem wird eher sein, eine Kolonie aufzutreiben. Scheinbar gibt es aktuell keine Angebote. Du kennst natürlich jetzt ein Vorkommen, kannst also ggf. bei den Schwarmflügen (v.a. Juni/Juli, witterungsbedingt seltener auch Mai bis August) mal gezielt Ausschau halten in dem entsprechenden Habitat. Oder danach Angebote prüfen, wenn die Shops neu bestückt sind. Die Art ist aber eher selten (tatsächlich kannte ich sie selbst gar nicht vor deinen Posts dazu).

    Ein paar Infos aus dem Seifert (2018):

    • Nistet in den allermeisten Fällen in Eichen. Sehr viel seltener in Kastanien, Ahorn, Eschen, Ulmen, Hainbuchen, Weide, Birke, Pappel, Linde. Sprich: Alles Laubbäume, niemals Nadelgehölz. Das sollte man beim Nestbau berücksichtigen. Ein Holznest bietet sich hier ja dann sehr an. Scheinbar leben sie vor allem in vitalen Bäumen, also einiges intaktes Holz, aber mit bereits morscher werdendem Kern. Das verrottete Holz ist auch für den Nestbau elementar, gesundes Holz können sie nicht bearbeiten. Dort ziehen sie noch selbst ein Kartonnest ein, ähnlich wie Lasius fuliginosus (deren Territorium sie in der Natur btw stark respektieren, da sie im Kampf quasi immer unterlegen sind). Ggf. kann man aus präferiert Eichenholz ein Nest bauen, Kammern/Gänge ausfräsen und diese mit rottigem Laubbaumholzmaterial füllen, um das zu simulieren. Solch rottiges Material kann man z.B. im Wald kostenlos an alten Stümpfen von Laubbäumen sammeln. Eichenholz kann man bestimmt in jedem Baumarkt bekommen und ggf. zuschneiden lassen. Fräsen gibt´s billig im Netz, einfach mal Holzdremel/Fräse suchen. Im Prinzip wie bei Ytong auch, man nimmt einen Block und fräst die Kammern usw. nach eigenem Wunsch aus. Würde da in der Mitte eine recht große Kammer machen (quasi Nestkern) und dann verästelt Kammern/Gänge anschließen. Alles hübsch mit rottigem Mulm ausfüllen
    • Die Kolonien können sehr volkstark werden, also entsprechend Platz einrechnen. Vermutlich sind sie zumindest oligogyn, da man mal einen 12er-Nestverbund gefunden hat. Zwar wird man in der Haltung natürlich nie "Millionen Arbeiterinnen" bekommen, wie Seifert schreibt. Aber bisschen Platz muss sein für die artgerechte Haltung, also großes Becken ggf. mit künstlichen Laufwegen über Schläuche etc.
    • Die Art jagt aktiv, ist sehr zoophag. Aber auch tote Tiere werden wohl problemlos angenommen werden. Auch Samen (da geht´s um die Elaiosomen) werden genommen. Dazu in der Natur natürlich Trophobiose mit Läusen, in der Haltung also klassisch Honig/Zucker als Ersatz
    • Schwarmflüge wie o.g. meist Juni/Juli, seltener Mai/August, zwischen meist 17:00-22:00 Uhr. Die meisten Gynen scheinen nahe der Heimatkolonie zu landen, ergo gute Chancen, an deinem bekannten Standort eine zu finden
    • Gründung ist sehr schnell, 22 Tage nach Gründungsbeginn sollten erste Pygmäen da sein. Die sind ungewöhnlich aggressiv, also ggf. auch schon hohe Aktivität vom Start weg


    Ich schätze, mit etwas Vorbereitung kannst du dich sicher ran wagen. Wäre auch interessant, mehr über die Art zu hören.

    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

    Edited once, last by ice_trey (April 7, 2026 at 12:12 PM).

  • Wow, die Art kannte ich auch nicht - wirklich schöne Tiere! Also hab ich gleich mal etwas recherchiert und gesehen, dass sie in Österreich auf der Roten Liste stehen, Status stark gefährdet:

    "Es ist mit zumindest 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Art in den nächsten 20 Jahren (oder 5 Generationen) ausstirbt (je nachdem, was länger ist)"

    Siehe https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site…nen/rep0895.pdf

    Ich weiß nicht ob das rechtlich irgendwelche Implikationen hat. Evtl ist die Art in anderen Ländern häufiger und deshalb gelegentlich in Shops verfügbar? Persönlich würde ich mich einfach daran erfreuen, solche Tiere in der Natur bestaunen zu können!

    Toller Fund! Neidische Grüße :upside_down_face:

  • Ich weiß nicht ob das rechtlich irgendwelche Implikationen hat. Evtl ist die Art in anderen Ländern häufiger und deshalb gelegentlich in Shops verfügbar? Persönlich würde ich mich einfach daran erfreuen, solche Tiere in der Natur bestaunen zu können!

    Ja, die Art dürfte ich ohne Genehmigung nicht aus der Natur entnehmen. Ähnlich sieht es mit dem kaufen auf einer online Website aus. Das würde ohne Genehmigung oder spezielle Erlaubnis auf jeden Fall Komplikationen geben.

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