Ernteameisen in Schule

  • Guten Tag zusammen!


    Mein Name ist Steffi und ich lebe in der Schweiz. Ich arbeite als Lehrerin mit 9-10 Jahre alten Kindern.
    Im Klassenzimmer wohnen zur Zeit afrikanische Riesentausendfüsser mit ihren Asseln in einem grossen Terrarium (seit 5 Jahren), Red Rili Garnelen und Perlhuhnbärblinge in einem 80l Aquarium (seit 3 Jahren) sowie wandelnde Blätter in einem Hochterrarium (seit ca 8 Jahren). Die SchülerInnen absolvieren freiwillig im Halbjahresrhythmus einen "Führerschein" zur Betreuung der Tiere. Immer wieder besuchen uns andere Klassen um die Tiere zu beobachten oder die Tiere gehen für eine Weile in ein anderes Schulhaus. Hier werden sie ausschliesslich von mir betreut. Auch ehemalige SchülerInnen kommen öfter vorbei, um "ihre" Tiere zu besuchen. Bei einigen Familien durfte auch schon der eine oder andere Nachwuchs einziehen.
    Alle Tiere und Setups gehören mir privat, ich bin auch privat für sie verantwortlich.
    Ameisen interessieren mich schon sehr lange. Wenn ich bisher Ameisen im Unterricht durchgenommen habe, so haben wir "wilde" Ameisen im Schulgarten oder Wald beobachtet. Nun möchte ich gerne eine Anlage für das Klassenzimmer aufbauen. Ich habe mich hier schon quer durch das Forum gelesen, auch bei anderen Foren, konnte aber noch nicht so befriedigende Antworten auf meine Fragen finden. Leider scheinen Schulprojekte längerfristig auch nicht zustande gekommen zu sein? Zumindest wurde in den Foren nicht darüber berichtet.


    Warum Ameisenhaltung? Es hat doch schon genug Tiere im Klassenzimmer...
    Ich möchte den SchülerInnen gerne die faszinierende Welt der Ameisen näher bringen. Staatenbildung nur aus Weibchen bestehend - eine Königin, welche keine ist, zumindest nicht im Sinne einer Märchen-Königin, Arbeitsteilung, Kommuniktion, Fressverhalten, Entwicklung der einzelnen Tiere, etc
    Daneben sind natürlich auch Geduld und Beobachtungsgabe Fähigkeiten, welche gefördert werden.
    Jede Tierart in meinem Klassenzimmer erfüllt ihre "Funktion": das Aquarium mit dem Unterwasserbewohnern, die Tausenfüsser zum Verwerten von biologischen Abfällen und die wandelnden Blätter mit ihrer Tarnung und auch interessanten Fortpflanzung.


    Soweit zu den Voraussetzungen. Jetzt brauche ich euren Rat:
    Ich möchte gerne eine Ernteameisenart halten, da mich ihre besonderen Nahrungsansprüche mit sowohl tierischem Futter wie auch Körnern fasziniert. (Gibt auch für die Kids unterschiedliches zu sehen)


    Die Kolonie sollte keine Winterruhe halten.


    Die Kolonie sollte über die Jahre nicht allzu gross werden. Langsames Wachstum ist kein Problem.


    Die Kolonie darf nicht zu stressanfällig sein. Ich möchte das Nest und Arena auf ein Sidebord stellen, damit es erschütterungsfrei steht. Nicht an die Scheibe klopfen wissen alle Kids vom ersten Tag an. Trotzdem laufen halt viele Leute daran vorbei.


    Welche Art würde sich eignen? Messor erectus? Messor hesperius?


    In den Ferien bleiben die Tiere eigentlich in der Schule. Da ich aber die Ameisen nicht so lange alleine lassen kann wie die anderen Tiere, möchte ich sie jeweils in den langen Ferien nach Hause nehmen. Da hätte ich ein Korknest angedacht oder ein Digfix damit es nicht zusammenstürzt beim Transport. Denkt ihr, das funktioniert?


    Das war jetzt erst mal sehr viel... aber vielleicht hatte ja jemand die Geduld fertig zu lesen ;)


    Vielen Dank und ich bin gespannt auf eure Antworten!


    Liebe Grüsse
    Steffi

    • Official Post

    Hallo Steffi,


    erstmal herzlich Willkommen im AmeisenCafé! :winken:


    Das wird jetzt erst mal sehr viel... aber ich bin sicher, du hast die Geduld, das zu lesen... [Blocked Image: https://ameisencafe.de/cafe/wcf/images/smilies/wink.png]
    Ich muss zugeben, dass ich sogar die maximale Zeichenanzahl von 10.000 erhöhen musste, um das hier zu posten zu dürfen... :saint::crazy:



    Normalerweise stehe ich Ameisenhaltung an ("normalen") Schulen eher skeptisch gegenüber, aber ihr habt bei euch ja anscheinend ein sehr weitgreifendes Konzept für die Kinder, mit Kleinstlebewesen umzugehen und für diese zu sorgen.


    Daher finde ich das Projekt unter diesen Voraussetzungen unterstützenswert, zumal Ameisen leider oft einen schweren Stand haben. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen, die Ameisen meist als äußerst lästig empfinden und lieber zur Tötung übergehen, statt sich zu arrangieren. Daher kann die Bildung von Kindern in der Richtung sicher nicht falsch sein, wenn man es gut angeht, um sie unter anderem etwas für die Daseinsberechtigung, den Nutzen und die ökologische Bedeutung von Ameisen zu sensibilisieren. Da kann ich durchaus auch verstehen, dass das ggf. auch mehr "Impact" hat, wenn man "seine" Kolonie betreut, statt nur draußen einen Ameisenhaufen anzuschauen.


    Zeitgleich will ich dir ganz realistisch helfen, das einzuschätzen und hoffe, mein Beitrag hier gibt erste Impulse, die du gerne vertiefen kannst.



    Die Kolonie sollte keine Winterruhe halten.

    Verständlich, denn die 4-6 Monate Pause pro Jahr sind schon für den erwachsenen Ameisenhalter schwer erträglich, für Kinder wird das nicht besser. Damit fallen alle mitteleuropäischen und die meisten südeuropäischen Arten heraus, da diese zwingend eine Winterruhe einhalten müssen, da sonst ein Risiko der Kolonieschädigung besteht.


    Es gibt teils die selben Arten mit unterschiedlicher Herkunft. Bei diesen Arten fällt die Winterruhe teils heraus, jedoch ist die Verfügbarkeit in den Shops etc. teils schlecht. Du musst ggf. damit rechnen, dein Projekt erst nächste Saison umsetzen zu können, weil du die Ameisen einfach nicht früher bekommst. Das ist abhängig von den Schwarmflügen vor Ort, sowie ob überhaupt entsprechende Sammler vor Ort dann auch für Shops oder für den eigenen Verkauf vorhanden sind.


    Messor arenarius z.B. gibt es sowohl in Südeuropa, als auch Nordafrika - erstere Variante benötigt eine Winterruhe, zweitere nicht zwingend. Die Herkunft ist also entscheidend, auch wenn es sich um diesselbe Ameisenart handelt. Beide Varianten sind an die lokalen Begebenheiten angepasst. Das muss man mit dem Händler/Verkäufer genau klären und sich dabei auch auf dessen Angaben verlassen können.



    Die Kolonie sollte über die Jahre nicht allzu gross werden. Langsames Wachstum ist kein Problem.

    Nun, "groß" ist sehr subjektiv und es gibt noch anhängige Fragen dazu. Natürlich kann man gerade bei jungen Kolonien mit kleinen Arenen und Nestern arbeiten, teils sogar sehr kleinen. Für eine kleine Messor-Kolonie würde ich als Halter ein steppenartig eingerichtetes Becken mit ca. 30 x 50 cm Grundfläche zur Verfügung stellen, zusätzlich einen Nestteil, wie z.B. die von dir angesprochene Farm. Man muss aber damit rechnen - gerade wenn es gut läuft und die Bedingungen passen - dass man das Becken in den Folgejahren erweitern oder tauschen muss. Auch ein 40 x 80 cm Becken, sowie ggf. weitere Nestbereiche sollten später noch Platz finden (kann man auch auf Regalen über dem Sideboard anbringen). Wenn man die Kolonie umstellen muss, aus welchen Gründen auch immer, muss man all das zeug natürlich auch transportieren können.


    Das Koloniewachstum hängt von einigen Faktoren ab, vor allem der Art (je größer, desto langsamer), der Temperatur (je höher, desto schneller - natürlich im für die Art passenden Temperaturbereich), Menge und Qualität des Futters (darüber kann man indirekt das Brutwachstum steuern), sowie weitere wichtige Parameter, wie Luftfeuchtigkeit usw.


    Anfangs ist anzuraten, alle Parameter möglichst passend zu setzen, damit die kleinen Kolonien (oder auch nur die Gründerkönigin) entsprechend die Kapazitäten hat, sich gut und gesund zu entwickeln. Stellt man fest, dass die Kolonie unerwartet schnell wächst, was normalerweise erst nach 2-3 Jahren stattfinden dürfte, kann man die Lebensbedingungen wie oben geschrieben etwas anpassen, bzw. gezielt verschlechtern. Das muss man gut austarieren, denn man will natürlich nur das Wachstum dämmen, nicht, dass es zur Schädigung oder gar Absterben der Kolonie kommt.


    Die Gründung einer Königin ist ein kritischer Moment, kann daher auch misslingen und ist auch sicher nicht besonders spannend für Einsteiger - ich rate daher zu einer kleinen Kolonie.




    Die Kolonie darf nicht zu stressanfällig sein. Ich möchte das Nest und Arena auf ein Sidebord stellen, damit es erschütterungsfrei steht. Nicht an die Scheibe klopfen wissen alle Kids vom ersten Tag an. Trotzdem laufen halt viele Leute daran vorbei.

    Das ist leider nicht nur artverschieden, sondern sogar unterschiedlich je nach Kolonie. Ich kann dir aus vielen eigenen Erfahrungen sagen, dass manche Kolonien bei gewissen Situationen panisch reagieren, bei denen Kolonien ungefähr selber Größe und Art sehr ruhig bleiben. Natürlich gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt und Kolonien reagieren auch je nach Alter, Größe, Temperatur, etc. unterschiedlich. In der Tendenz sind jüngere Kolonien weitaus ängstlicher als ältere, große, wehrhafte, mit gut ausgebautem Territorium. Das Vorbeilaufen ist kein Thema, das machen die meisten Ameisenhalter regelmäßig. Vor allem der Nestbereich sollte aber möglichst wenig erschüttert, berührt, angehoben etc. werden, da dieser für die Ameisen der heilige Gral ist. Der Standort sollte nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein, weil ein Hitzestau die Ameisen tödlich schädigen kann. Das passiert schneller, als man denkt, da Ameisen ja eigentlich wärmeliebend sind.


    Es gibt seit Jahren Debatten darüber, aber für eine Abdunkelung des Nests ist nach meiner Sicht zu sorgen, entweder durch lichtundurchlässiges Material, das man nur bei Bedarf zur Kontrolle abnimmt/anhebt (ggf. zu oft bei euch mit all den Kids), oder klassisch mit roter Folie, da Ameisen allgemein rotblind sind., da kann man auch mit einer starken Taschenlampe reinleuchten und die Ameisen sehen... nichts. So wie der Mensch mit UV-/IR-Licht eben. Meine eigenen Messor waren tendenziell auch eher lichtscheu, muss ich sagen.




    Welche Art würde sich eignen? Messor erectus? Messor hesperius?

    Körnersammelnde Gattungen (sogenannte Ernteameisen) sind die von dir angesprochenen Messor, aber auch Pogonomyrmex, sowie einige Pheidole-Arten. Ich will dir daher weniger exakte Gattungen/Arten vorschreiben, als anraten, mal in den diversen Shops (hier eine Liste: https://ameisencafe.de/cafe/in…d/9707-Ameisenshop-Liste/) nach Arten dieser Gattungen zu suchen und nach Infos dazu, wo diese jeweils herkommen. Wobei ich von Pheidole abraten würde, da ich diese insgesamt durch ihre meist sehr kleine "Bauart" für deutlich schwerer zu beobachten und zu handhaben (Ausbruchsschutz!) einschätze.


    Das definiert dann schonmal deine Haltungsparameter, je nach Herkunft weißt du, für welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit du sorgen musst. Die Art selbst definiert desweiteren dann z.B. die Größe und Farbgebung der Ameisen, sowie oftmals gewisse Besonderheiten. Die beiden von die angesprochenen Arten (bzw. korrekterweise Messor minor hesperius) gibt es jedenfalls als nordafrikanische Varianten, daneben aber noch zahlreiche andere. Die Shops gliedern meist nach Kontinenten, das macht dir die Suche einfacher.



    In den Ferien bleiben die Tiere eigentlich in der Schule. Da ich aber die Ameisen nicht so lange alleine lassen kann wie die anderen Tiere, möchte ich sie jeweils in den langen Ferien nach Hause nehmen. Da hätte ich ein Korknest angedacht oder ein Digfix damit es nicht zusammenstürzt beim Transport. Denkt ihr, das funktioniert?

    Ein Korknest ist eher für arboricole, also baumbewohnende Arten gedacht. Digfix ist ein recht neues Material in der Ameisenhaltung und ich habe dazu keine persönlichen Erfahrungen. Ich kann dir aber versichern, dass klassiche Sand/Lehmgemische (1:1) äußerst stabil sind und auch beim Transport nicht allzu leicht einstürzen. Da muss man die Farm schon gezielt schütteln. Eine Farm ist an sich eine ganz gute Idee, um die natürlichen Grabeaktivitäten der Ameisen zu beobachten, das Handling will aber gelernt sein. Gerade da die Samen und Körner nicht keinem dürfen, muss man es auch hier schaffen, durch die gezielte Wässerung (und nicht-Wässerung) verschiedene Feuchtigkeitsbereiche im Nest zu schaffen, was bei der Farm durch die Kapillarwirkung des Substrats nicht ganz einfach ist. Ein paar Testläufe vorab, ohne Ameisen, sind anzuraten, um Wassermenge und Wässerungsintervall abschätzen zu lernen. Bei großen Kolonien ist das einfacher, da kann man auch eine Fram gut wässern, die andere trocken halten - junge Kolonien hingegen werden sich im Normalfall nicht auf zwei Farmen einlasse, sondern einen sehr begrenzten Bereich nutzen.




    Ganz allgemein musst du dich natürlich fit machen in allen Belangen der Ameisenhaltung. Vor allem auch, weil Ameisen doch ziemlich andere Ansprüche stellen, als andere Terrarientiere, bei denen man z.B. keinen zusätzlichen Ausbruchsschutz benötigt, bei denen nicht jede noch so winzige Lücke zwischen Deckel und Becken ein Risiko darstellt, etc.pp. - denn die Ameisen, vor allem exotische Arten, sollten zwingend dort bleiben, wo sie hingehören, im Becken. Das ist auch sehr sehr wichtig zu vermitteln, auch an Kollegen, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - selbst aus der Verantwortung scheidet. Auf gar keinen Fall dürfen die Kolonien in irgendeiner Form in die freie Natur gelangen können oder gar "nach Gebrauch" dorthin ausgesetzt. Gut, das richtig zu machen traue ich euch nach deinen Schilderungen durchaus mehr als zu ;)


    Du findest viele Infos oben angepinnt in den Bereichen, vor allem im Bereich Allgemeine Diskussionen über Ameisen. Für exotische Arten musst du allgemein mehr Investitionen planen, als bei einheimischen - Thermometer, Hygrometer, Heizgeräte wie Matten/Strahler/Kabel, etc.; Dabei muss man aber auch nicht allen Quatsch kaufen, denn in den Shops gibt es auch viel, eigentlich unnötige, Ausrüstung und Futter. Du kannst gerne deine geplanten Einkäufe hier zur Debatte stellen. Auch Eigenbau statt Kauf spart Geld, falls nötig.




    Hier sind noch ergänzend ein paar alte Threads zu ähnlichen Themen, wobei ich zugeben muss, sie nicht nochmal gelesen zu haben. Ggf. finden sich da aber ja noch ein paar Anregungen:
    https://ameisencafe.de/cafe/in…im-Kindergarten/?pageNo=1


    https://ameisencafe.de/cafe/in…ighlight=schule#post38504
    https://ameisencafe.de/cafe/in…ighlight=schule#post21387



    Ansonsten stehen wir gern mit Knowhow und Beratung jederzeit zur Seite.

    • Official Post

    Hallo Steffi,


    zuallererst herzlich willkommen hier im Café !! :thumbup:


    ice_trey hat ja bereits seeeehr viel zu dem Thema geschrieben, sodass Mir eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen bleibt.
    Einen Gedanken möchte Ich aber doch noch anstoßen.


    Du willst ja eine Arena und Farmen als Formicarium anbieten, hast Du schon über ein Terrarium nachgedacht?
    So was hier in der Art: Bauanleitung: Vom Aquarium zum Formicarium
    Dieses bietet in meinen Augen in deinem Fall viele Vorteile.


    Zum einen der Transport. Klar, so ein Ding ist vermutlich bzw. sicherlich schwerer als die einzelnen Module, allerdings ist es eben nur ein Teil, was Du transportieren musst. Zudem fällt der Auf- und Abbau weg. Ist zwar nicht sonderlich schwierig, aber das wär immerhin 2 mal pro Jahr.
    Theoretisch kann man auch diese Anlagen mit Erweiterungsmöglichkeiten im Hinterkopf bauen, man muss also nicht sofort das größte Aqua/Terrarium am Platze kaufen.


    Rein optisch bietet es das Gefühl, unter die Erde zu schauen. Oben eben der Arenabereich, der durch seine Größe viel Übersucht bietet und schön zu gestalten ist, und "unter Tage" der Nestbereich und die Kornkammer(n). Auch hier kann man natürlich schön mit roter Folie arbeiten, um den Tieren eben auch genau das unterirdische Gefühl zu vermitteln, das sie lieben. Auf diese Weise kommt so ein Setup den natürlichen Gegebenheiten am nächsten. Außer natürlich das reine Erdnest, aber Ich gehe mal davon aus, das der Nesteinblick hier in deinem Fall gegeben sein sollte.


    Dadurch, dass Du hier in verschiedenen Ebenen arbeitest, sparst Du auch Stellfläche, die dann für eventuelle weitere Becken dieser Art frei wird.
    Würde Ich mein jetziges Arena-Farm-Farm Formicarium zu einem solchen wechseln, hätte Ich wahrscheinlich das drei- bis vierfache an bewohnbarer Fläche.


    Durch das große Platzangebot fällt es auch deutlich leichter, verschiedene Wärme- und Feuchtigkeitszonen anzubieten, sodass sich die Tiere den optimalen Brutplatz aussuchen können. Denn die Brut stellt in den verschiedenen Stadien oftmals unterschiedliche Ansprüche an das jeweilige Mikroklima bzw. entwickelt sich ggf. schneller oder langsamer, je nach dem ob die optimalen Bedingungen auffindbar sind oder nicht.


    Nicht ganz uninteressant ist bestimmt auch, dass man bei so einem Projekt die Kinder mit in den Bau einbeziehen kann.
    Bei dieser Bauart können die Kinder das Reich "ihrer Ameisen" mitgestalten, sich Formen für Kammern ausdenken, u.U. mit verschieden Kammerformen und - Größen experimentieren. YTONG ist auch unheimlich leicht zu bearbeiten, das sollten 10 Jährige mit etwas Anleitung problemlos hinbekommen.


    So, das nur mal als kleiner Gedankenanstoß.



    Beste Grüße und schön gesund bleiben,


    Ralph

  • Hallo ice-trey,
    Erstmal vielen herzlichen Dank für das nette Willkommen und deine ausführliche Antwort!


    Meine Idee war, die Kolonie erst einmal bei mir Zuhause zu halten, damit ich den korrekten Umgang erlerne und mich da einfühlen kann. Und erst wenn die Kolonie dann im Jahr darauf etwas grösser und der Umgang für mich Alltag ist, würde ich sie ins Schulzimmer umsiedeln. Den Kids etwas beibringen wollen wenn ich selbst noch unsicher bin, finde ich nicht so toll. Darum das Jahr Vorlaufszeit.


    Bezüglich des Setups dachte ich an das von Antstore angepriesene Starter-Set für Messor-Arten mit zwei Nestern und Arena. Somit könnte ich das „Körner-Nest“ trocken halten und das „Brut-Nest“ befeuchten. Ich meine diese hier: https://www.antshop.ch/shop/pr…et-fuer-messor-spec-.html
    Du schreibst aber, dass kleine Kolonien am Anfang eher nur ein Nest annehmen? Dann hätte ich das zweite dann als Erweiterung, wenn die Kolonie grösser ist? Aber ist dieses Setup seinen Preis wirklich wert?
    Eigenbau ist so eine Sache... ich bin nicht wirklich begabt für solche Dinge... Löcher in Glas zu bohren stelle ich mir sehr schwierig vor :pale


    Ich habe gelesen, dass es für Messor-Arten nur sehr wenig Feuchtigkeit braucht und wenn die Kolonie grösser ist, sie das Nest selbst befeuchten?!? Somit könnte ich nur auf einer Seite das Nest anfeuchten mit wenigen Tropfen? Nimmt man dazu Leitungswasser oder ist Regenwasser besser?


    Und ich müsste die Arena erwärmen, nicht jedoch das Nest? Weil in der Natur es ja unterirdisch wäre und deshalb kühler? Stimmt das so? Was eignet sich da besser: Lampe oder Heizmatte? Von den Geckos her habe ich nur Erfahrungen mit Lampen, Matten waren mir bisher immer ein wenig suspekt, weil man weniger genau die Temperatur regeln kann?


    Bevor die Ameisen einziehen möchte ich (wie bei meinen Terrarien und Aquarien) eine Einlaufzeit abhalten um das ganze System kennenzulernen bevor lebendige Wesen einziehen. Wie mache ich das aber dann, wenn die Kolonie umzieht in die Schule? Dort sind Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit ja wahrscheinlich anders als Zuhause? Oder wäre dies dann der Zeitpunkt, um ein weiteres Nest und Arena anzubieten?


    Bezüglich der Koloniegrösse habe ich da von mehreren 10‘000 Ameisen gelesen - je nach Art! Die Kolonie darf und soll wachsen, aber die SchülerInnen sollten auch noch Platz finden im Klassenzimmer ;) Wie gross muss ich mir ein Setup vorstellen für eine 10ˋ000 Ameisen starke Kolonie?


    Jetzt eine vielleicht etwas komisch anmutende Frage: man bestreicht ja alle möglichen Ausbruchsstellen mit Parafinöl. Ich konnte aber nirgendwo finden, wie oft/in welchen Abständen ich das machen sollte? Wenn die erste Ameise ausbricht, ist es dann wohl zu spät? :D


    Ich werde mich jetzt erst mal durch Erfahrungsberichte und Ameisenshops durchlesen um mich auf wenige Arten zu beschränken und auch andere Arten als Messor kennenzulernen. Es wäre super, wenn ich diese Vorschläge hier bringen dürfte und ihr mir Rat geben könntet?


    Danke für alle Eure Bemühungen und dass ich für meine Idee nicht gleich gesteinigt wurde...


    Grüsse
    Steffi

  • Hallo Ralph


    Danke dir für deine Anregung bezüglich des Selbstbaus! Das sieht scho sehr interessant aus! Aber wird das nicht auch schwer? Nicht dass mir beim Transport plötzlich der Boden durchbricht!!!


    Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier natürlich toll und vielfältig. Den Ytong könnten die Kinder bearbeiten, die Oberstufe (16-jährige) könnte ich vielleicht überzeugen, mir beim Zuschneiden von Plexiglas und versiegeln zu helfen, sowie die gefürchtete Glasbohrung zu machen. Der Werklehrer hätte da vielleicht Erfahrung und passendes Equipment.


    Könnte ich denn eine gekaufte Farm an so einen Selbstbau anschliessen nach dem geplanten Jahr Vorlaufszeit? Oder würden die Ameisen dies dann nicht mehr annehmen?


    Das gibt mir viel zum Nachdenken, danke euch allen!


    Grüsse
    Steffi

    • Official Post

    Bezüglich des Setups dachte ich an das von Antstore angepriesene Starter-Set für Messor-Arten mit zwei Nestern und Arena. Somit könnte ich das „Körner-Nest“ trocken halten und das „Brut-Nest“ befeuchten. Ich meine diese hier: antshop.ch/shop/product_info.p…et-fuer-messor-spec-.html
    Du schreibst aber, dass kleine Kolonien am Anfang eher nur ein Nest annehmen? Dann hätte ich das zweite dann als Erweiterung, wenn die Kolonie grösser ist? Aber ist dieses Setup seinen Preis wirklich wert?

    Also, meine haben den ersten Sommer, die erste Winterruhe und den Frühling das Reagenzglas (RG) als Nest behalten, auch wenn Ich die Farmen angeschlossen hatte. Diese wurden zwar besucht und erkundet, aber es hat bis in den zweiten (diesen) Sommer gedauert, ehe sie einen Umzug gewagt haben. Und zur Zeit wird hauptsächlich eine Farm genutzt, wo Königinnenkammer und auch einige Körner sind. Die Körner liegen aber auch in mehreren gut sortierten Haufen überall im Formicarium verstreut.


    Obs dein Preis wert ist, entscheidest Du. Ich habs Mir auch gekauft, weil Ich es recht dekorativ fand. In jedem Fall ist es günstiger, als wenn Du Dir alles, was im Set enthalten ist, einzeln kaufen würdest (Ich habs seinerzeit durchgerechnet ;) ).



    Eigenbau ist so eine Sache... ich bin nicht wirklich begabt für solche Dinge... Löcher in Glas zu bohren stelle ich mir sehr schwierig vor

    Ist nicht ganz einfach, aber wenn Du da einen Werklehrer bei der Hand hast, kannst Du den ja mal konsultieren.


    Ich habe gelesen, dass es für Messor-Arten nur sehr wenig Feuchtigkeit braucht und wenn die Kolonie grösser ist, sie das Nest selbst befeuchten?!? Somit könnte ich nur auf einer Seite das Nest anfeuchten mit wenigen Tropfen? Nimmt man dazu Leitungswasser oder ist Regenwasser besser?

    Das stimmt prinzipiell, aber ein gewisses Maß an Feuchtigkeit ist schon wichtig, ein paar Tropfen hin und wieder reichen da aus.
    Die Selbstbefeuchtungsfähigkeiten habe Ich erst bis vor kurzem stark überschätzt, das Ergebnis war das hier:
    Bild(er) des Tages


    Leitungswasser geht super, Regenwasser beherbergt u.U. die Gefahr von Verunreinigung. Nicht mal unbedingt (aber auch) Umweltgifte, aber zum Beispiel Algen oder ähnliches.


    Und ich müsste die Arena erwärmen, nicht jedoch das Nest? Weil in der Natur es ja unterirdisch wäre und deshalb kühler? Stimmt das so? Was eignet sich da besser: Lampe oder Heizmatte? Von den Geckos her habe ich nur Erfahrungen mit Lampen, Matten waren mir bisher immer ein wenig suspekt, weil man weniger genau die Temperatur regeln kann?

    Stimmt zum Teil. Es ist natürlich richtig, dass es unter der Erde kühler ist. Je nach Herkunft kann das aber immer noch wärmer sein, als die von Dir angebotene Raumtemperatur. Es ist immer zu empfehlen, ein Temperaturgefälle anzubieten, also verschiedene Wärmezonen im Nest. So können sich die Tiere den besten Standort für die Brutkammern selber wählen.
    Ich persönlich nutze eine 3 Watt Heizmatte und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die wird in jedem Fall nicht zu heiß, bietet aber eine schöne warme Stelle in der Farm.
    Diese habe Ich zu 2/3 an die Hinterseite der Farm geklebt. Links ist es schön warm, rechts noch etwas kühler. Für die Arena kann man ruhig eine Lampe nehmen, um die Steppensonne zu simulieren.


    Bei Heizmatten aber immer aufpassen, dass eine Luftzirkulation möglich ist, ansonsten kann sie die Wärme stauen und den Tieren schaden.



    Bevor die Ameisen einziehen möchte ich (wie bei meinen Terrarien und Aquarien) eine Einlaufzeit abhalten um das ganze System kennenzulernen bevor lebendige Wesen einziehen. Wie mache ich das aber dann, wenn die Kolonie umzieht in die Schule? Dort sind Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit ja wahrscheinlich anders als Zuhause? Oder wäre dies dann der Zeitpunkt, um ein weiteres Nest und Arena anzubieten?


    Temperaturschwankungen halten die Tiere aus, solange die Unterschiede nicht völlig absurd werden. In der Natur wird es ja nachts auch mitunter sehr kalt, wechseln die Jahreszeiten. Natürlich kann das etwas Stress verursachen, aber nichts, was sie nicht aushalten können sollten.
    Wenn Du auf Farmen und Arena einen Deckel hast, was Ich Dir schwer rate, hast Du auch kein großes Problem was die Luftfeuchtigkeit angeht, da ja ein Mikroklima geschaffen wird, was Du ja regulieren kannst.


    Ob Du weitere Module anbietest hängt viel mehr davon ab, ob die Tiere den zusätzlichen Platz benötigen oder nicht.


    Jetzt eine vielleicht etwas komisch anmutende Frage: man bestreicht ja alle möglichen Ausbruchsstellen mit Parafinöl. Ich konnte aber nirgendwo finden, wie oft/in welchen Abständen ich das machen sollte? Wenn die erste Ameise ausbricht, ist es dann wohl zu spät?

    Ausbruchschutz ist ein Thema, das für die Ameisenhaltung essenziell ist und worüber Du Dich, gerade bei nicht einheimischen Arten, schlau machen solltest.
    Generell gilt: Mehr ist immer besser, sprich, mehrere Schutzmaßnahmen. Die erste Barriere ist eben ein Öl, Talkum oder Lack. Ich präferiere Öl.
    Das trage Ich alle paar Monate oben am Arenarand (ca 1-2cm) und bei den Famen neu auf oder wenn Ich sehe, das es Schwachstellen gibt und Ameisen da lang laufen, wo eigentlich das Öl sein sollte. Da muss man die Tiere einfach beobachten.
    Bei der Arena vom Antstore gibts ja den Arenaramen, auch den besteiche Ich mit Öl, kopfüber an Glas klettern ist bei vielen Arten eh schon schwer, mit Öl haben sie da so gut wie keine Chance. Zusätzlich habe Ich meine Teile immer mit Deckel verschlossen. Da muss man dann auf den korrekten Sitz des Deckels achten. Das sind also 3 Barrieren, bis jetzt hälts.


    Es wäre super, wenn ich diese Vorschläge hier bringen dürfte und ihr mir Rat geben könntet?

    Klar, dafür sind Wir und das Forum ja da ;)


    Aber wird das nicht auch schwer? Nicht dass mir beim Transport plötzlich der Boden durchbricht!!!

    Da umbaut man ja viel Luft und YTONG ist super leicht. Aber im Zweifelsfall kann man das ganze ja auch auf eine stabile Holzplatte stellen.


    Könnte ich denn eine gekaufte Farm an so einen Selbstbau anschliessen nach dem geplanten Jahr Vorlaufszeit? Oder würden die Ameisen dies dann nicht mehr annehmen?

    Wenn ein entsprechender Anschluss in der Terrariumwand vorhanden ist, ist das natürlich möglich. Da kann man dann mit Schlauchverbindern aus dem Baumarkt arbeiten (bieten einige Ameisenshops ja auch an).
    Ob sie da einziehen, liegt ganz bei den Tieren. Man kann ihnen Dinge anbieten, ob sie es annehmen, liegt dann ganz bei ihnen.



    Beste Grüße und schön gesund bleiben,


    Ralph

  • Von Pogonomyrmex würde ich dringend abraten. Die stechen nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch sehr gerne - nichts was man in der Umgebung kleiner Kinder haben möchte.


    Hallo ice-trey,
    Bezüglich der Koloniegrösse habe ich da von mehreren 10‘000 Ameisen gelesen - je nach Art! Die Kolonie darf und soll wachsen, aber die SchülerInnen sollten auch noch Platz finden im Klassenzimmer ;) Wie gross muss ich mir ein Setup vorstellen für eine 10ˋ000 Ameisen starke Kolonie?

    Die meisten Messorarten werden in der Haltung weit größer als 10k, zumindest auf lange Sicht. Bei guten Bedingungen dürften die es auch locker auf 50k+ schaffen. Arten ohne Winterruhe wachsen natürlich schneller als Arten mit 4-6 Monaten Pause.

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    Platzsparen kann man da indem man flache Nester stapelt oder vertikale Nester nebeneinander stellt.


    Hallo ice-trey,
    Jetzt eine vielleicht etwas komisch anmutende Frage: man bestreicht ja alle möglichen Ausbruchsstellen mit Parafinöl. Ich konnte aber nirgendwo finden, wie oft/in welchen Abständen ich das machen sollte? Wenn die erste Ameise ausbricht, ist es dann wohl zu spät? :D

    Wie oft hängt sehr stark von der Feuchtigkeit ab und davon, wie intestiv die Kolonie die Barriere bearbeitet.


    Bei meinen Camponotus barbaricus hab ich vor 3 Jahren Fluon auf die Unterseite des Glasrahmens verteilt und das wirkt immernoch, das Becken ist aber auch eher trocken und die Ameisen versuchen nicht gezielt die Barriere zu durchbrechen. Einige Ameisenarten (v.a. Formica) haben die Angewohnenheit Dreck auf Paraffinbarrieren zu drücken, was diese mit der Zeit unwirksam macht.
    Messor gehören allgemein nicht zu den Kletterspezialisten, daher sollte bei denen Fluon auf der Unterseite eines Glasrahmens eigentlich auch mehrere Monate bis Jahre halten.
    Ein Deckel ist ohnehin zu empfehlen, damit niemand auf die Idee kommt einfach reinzulangen, die großen Majore können nämlich schon ziemlich unangenehm beißen.


    Eine wichtige Sache die man bei Messor im Kopf behalten sollte ist, dass sie allgemein die Bob der Baumeister bzw. McGyvers der Ameisenwelt sind. Man kann ein Becken aufwendig dekorieren, aber früher oder später werden die Ameisen anfangen den Boden umzugraben, kleinere Pflanzen auszubuddeln, "weiche" Dekorationen wie Kunstpflanzen zu zerbeißen, größere Dekorationen wie Steine oder Pflanzen komplett zu begraben und mit einigen der Samen kleine grüne "Gärten" anzulegen. Das macht die Ameisen sehr interessant zu beobachten, weil sie ständig aktiv sind, aber besonders "schön" sind diese Becken dann in der Regel nicht.

  • Hi,


    Ich bin selber noch Schüler und würde mich freuen wenn ich Ameiswn in meinem Klassenzimmer hätte.


    Hier mal eine Liste aller "halbwegs" verfügbaren Messor Arten die keine Winterruhe halten.


    Messor marocanus
    Messor cephalothes
    Messor aegyptiacus
    Messor orientalis
    Messor denticornis
    Messor decipiens


    Hoffentlich kann dir dass weiter helfen.


    LG. ForceMaster!

  • Ich bin zurück!!!!!


    Ich habe mich nun durch wahrscheinlich fast alle Messor-Arten die käuflich sind durchgearbeitet, deshalb hat es so lange gedauert sind nämlich ganz schön viele!


    Von den Pogonomyrmex bin ich wegen des Stachels auch ziemlich schnell abgekommen.
    Danke trotzdem für den Hinweis Serafine!


    Die Idee mit dem Stapeln der Nester finde ich wäre sicher machbar.


    Das Video war ziemlich eindrücklich! Aber hier wurden ja auch sehr viele Proteine in Form von Insekten zugefüttert. Dies beschleunigt doch auch das Wachstum der Kolonie, wie ice_trey oben geschrieben hat? Deshalb hoffe ich doch, nicht schon in 2 Jahren die 10000 er Grenze zu knacken


    Danke auch ForceMaster für deine Anregungen!


    Hier also nun meine engere Auswahl, wobei zur Zeit ja keine der Arten erhältlich ist, also kein Stress!


    Folgende Punkte führte in die engere Auswahl:
    1. Ernteameise
    2. keine Winterruhe
    3. geringe Verletzungsgefahr für Kids beim Füttern
    4. Grösse der Ameisen
    5. keine extremen Ansprüche an Temperatur und Luftfeuchtigkeit


    Dies führte zu folgenden Arten:
    Messor aegyptiacus
    Messor marocanus


    Alle zwei Arten entsprechen wohl meinen aufgeführten Punkten und sind in der Liste des schweizerischen Antstore.


    Temperatur - Nest: 21-26 Grad, Arena: 25-30 Grad - und Luftfeuchtigkeit - Nest: 50-70%, Arena: 30-50% - liegen bei beiden Arten etwa gleich. Ansonsten konnte ich keine markanten Unterschiede in der Haltung ausmachen.


    Leider habe ich kaum spezifische Haltungsberichte im Netz gefunden. Da sich die Arten aber so ähnlich sind in der Haltung, kann ich da wohl eher unspezifisch vorgehen?


    Was meint ihr zu meiner Auswahl?


    Anfangen würde ich mit dem oben erwähnten Starter-Set für Messor und dann bei Bedarf mit den SchülerInnen ein Aquarium mit Ytongnestern anbauen.


    Danke für eure Bemühungen!
    Grüsse Steffi


    Ich habe mich noch bei der Schulleitung abgesichert, ob ich potentielle Schädlinge im Klassenzimmer halten darf.
    Die Antwort: ob ich nicht lieber Blattschneider halten möchte? Die wären doch viel interessanter
    Ich meinte dann, ja wenn ich durch das ganze Schulhaus Röhren und Pilzbecken bauen darf? Und die Schule die Futterkosten übernimmt?


    Mein Chef schien daraufhin gar nicht so abgeneigt. Da könne man sicher etwas machen, wäre doch interessant.


    Ja sicher, aber ohne mich... dem bin ich, glaube ich, (noch) nicht gewachsen.


    Wobei es jemanden in der Schweiz gibt, der Ameisen-Kolonien, auch Blattschneider, an Schulen verleiht?!
    Und Antstore hat auch ein Video auf Youtube, wo sie eine Blattschneider-Kolonie in einer Kita aufbauen?


    Wie steht ihr dazu? Völliger Blödsinn oder warum auch nicht?

  • Hallo shoolant,



    Dies führte zu folgenden Arten:
    Messor aegyptiacus
    Messor marocanus

    Genau auf diese beoden Arten bin ich auch gekommen da ich exat die gleichen Punkte hatte.
    Messor aegypticus ist meines Wissens nach erhältlich jedoch nicht ganz billig. (ca. 80 Euro).
    Messor marocanus ist meines Wissens nach derzeit nicht erhältlich.


    Ich muss dich aber informieren dass so eine Gründung, gerade bei einer Art die etwas höhere Ansprüche an die Umweltbedinungen stellt oft schief geht womit du dann 80 Euro in den Sand gesetzt hättest.


    Ich kann dir nur empfehlen erst mal Halrungserfahrungen mit "Einsteiger Arten" zu sammeln. Einheimische Arten oder auch Arten wie Messor babarus eignen sich hier gut.


    LG. ForceMaster!

  • Hallo,


    also Blattschneider Ameisen sind absolut keine Arten für Einsteiger. Sie stelle sehr hohe Ansprüche an ihre Umwelt insbesondere an Temperatur und Luftfeuchtigkeit.


    Blattschneiderameisen züchten einen Pilz als Nahrungsgrundlage. Hier muss wirklich alles passen damit dieser überlebt. Abgesehen davon sind Blattschneiderameisen sowohl in der Anschaffung als auch in der Erhaltung, im Vergleich zu anderen Arten, sehr teuer. Auch noch zu erwähnen ist das Blattschneider Ameisen sehr viel Platzt u d Pflege benötigen.


    LG. ForceMaster!

    • Official Post

    Nabend SchoolAnt,


    in jedem Fall würde Ich Dir empfehlen, Dir eine Starterkolonie mit ~30 Arbeiterinnen zu holen, wie ForceMaster bereits sagte, gibt es bei Messor eine etwas erhöhte Ausfallquote gerade in der Anfangsphase. So ab 50-100 Tieren gilt die Kolonie als stabil.


    Ich verstehe auch die Bedenken von ForceMaster bezüglich des Verlustes einer jungen Kolonie aufgrund falscher Haltungsbedingungen, allerdings glaube Ich, dass Du das mit der Erfahrung, die Du ja in der Insektenhaltung bereits hast, schon hin kriegen kannst.


    Dennoch ist es nicht verkehrt, erstmal Erfahrung mit Arten zu sammeln, die noch sehr erschwinglich sind.
    Da musst Du Dich ein bisschen selber einschätzen können, ob Du Dir das zutraust.


    Was die Blattschneider angeht, würde Ich meinem Vorredner beipflichten. Diese Arten haben meinem Verständnis nach sehr wenig Spielraum für Fehler in der Haltung. Was andere Arten mit einem Antennenzucken weg stecken, kann hier den Totalausfall einer Kolonie bedeuten.


    Der Pilz, der die Lebensgrundlage der jeweiligen Art bildet, ist sehr sensibel was Schwankungen bei Temperatur und Feuchtigkeit angeht.
    Zudem kann so eine kleine Kolonie mal eben +200€ kosten, dazu käme noch der Platz, den sie benötigen. Diese Arten brauchen für ein gesundes Dasein sehr lange Laufwege zwischen Futter-, Pilz- und Müllkammer.
    Aufgrund der Größe der Anlage, die sich dadurch mit der Zeit fast zwangsweise ergibt, wird es sehr schwer bis unmöglich, die Tiere über die großen Ferien mit zu Dir nach Hause zu nehmen.
    Hier mal ein Beispiel dafür, worin die Haltung von Blattschneidern ausarten kann:
    http://www.ameisenportal.eu/vi…?f=50&t=1136&p=9118#p9092


    Klar, das ist schon eine recht aufwändige Anlage, aber auch kleinere Blattschneiderformicarien sind immer noch wesentlich unpraktischer als alles, was bei deinen Messor zusammen kommen würde.



    Beste Grüße und schön gesund bleiben,


    Ralph

  • Nicht dass ihr mich falsch versteht: ich will KEINE Blattschneider halten!! Vielleicht mal in ferner Zukunft, aber sicher nicht zum Einstieg. Und nicht in der Schule.


    Mich nahm nur eure Reaktion bezüglich der Leihgabe und der Kolonie von Antstore in der Kita wunder.



    Ich hoffe sehr, dass ich nächstes Jahr mit einer der ausgesuchten Messor starten kann!
    Warum ist eine Gründung bei Messor eigentlich so schwierig bzw. geht oft schief?


    Noch eine Frage bezüglich des Futters: kann ich da auch selber sammeln? Gerade jetzt sind ja viele Pflanzen am absamen.... oder geht nur das gekaufte Futter?


    Könnte ich bei einer Kolonie z.B. auch Labyrinthe bauen als Experiment um zu sehen, wie die Ameisen ihren Weg finden? Oder mal einen Weg blockieren um die Reaktion zu sehen? Oder anderes Wetter simulieren, starker Wind, Regen, etc? Oder stressen solche Dinge die Ameisen zu sehr?


    Grüsse Steffi

    • Official Post

    Nabend Steffi,


    ich wollte Dir lediglich mal einen Einblick geben, was da auf einen zukommen kann.
    Einfach damit Du's schon mal gehört hast ;)



    Warum ist eine Gründung bei Messor eigentlich so schwierig bzw. geht oft schief?

    Nach allem was Ich weiß, sind sind sie in der Gründung recht stressanfällig. Aber das sind im Grunde so gut wie alle Ameisen.
    Einen genauen Grund konnte Ich bis heute nicht heraus finden.


    Aber wenn die Gyne die richtigen Klimaparameter, Dunkelheit und vor allem Ruhe hat, sollte alles klar gehen.
    Leider kann man bei so kleinen Tieren eben nicht reinschauen und horchen, was sie haben.
    Manchmal ist die Gyne zu schwach oder einfach krank. Das ist dann sehr schade aber nicht zu ändern.


    Ja, sammel was das Zeug hält. Ich bin auch immer fleißig am Suchen und bis jetzt kommt das Meiste davon sehr gut an.
    Je mehr Abwechslung auf dem Speiseplan steht, desto besser geht es der Kolonie.
    Achte beim selber Sammeln nur darauf, dass Du nicht direkt neben Straßen oder Parkplätzen suchst.
    Aber das kannst Du Dir wahrscheinlich schon selber denken.



    Könnte ich bei einer Kolonie z.B. auch Labyrinthe bauen als Experiment um zu sehen, wie die Ameisen ihren Weg finden? Oder mal einen Weg blockieren um die Reaktion zu sehen? Oder anderes Wetter simulieren, starker Wind, Regen, etc? Oder stressen solche Dinge die Ameisen zu sehr?

    Bei der Wettersimulation wäre Ich zum Anfang noch etwas vorsichtig. Das kann natürlich Stress verursachen.
    Wenn sie ein etabliertes Nest haben und die Kolonie stabil ist, kann man sowas aber durchaus mal versuchen. Meine Messor barbarus zum Beispiel werden sehr aktiv und krabbeln wild umher, wenn Ich beim Hantieren in der Arena mal aus Versehen hinein atme.
    Das liegt aber wohl daran, dass sie es nicht gewohnt sind. In der Regel ist es da ja vollkommen windstill.
    Wenn Ich mal ein paar Tropfen Wasser zur Befeuchtung rein gebe, sind sie auch kurz verwirrt, nutzen dann aber sofort die feuchten Stellen, um dort zu trinken. Wenn sowas passiert, ziehen sie den nassen Boden sogar der Tränke vor.


    Labyrinthe, Wippen, Wegfindespiele, etc. sind sogar ne super Sache, dann sind sie nämlich beschäftigt und suchen keine neuen Wege aus dem Formicarium :D .
    Um da mal das Känguru zu zitieren: Du musst die beschäftigen, sonst beschäftigen die dich :P



    Beste Grüße und schön gesund bleiben,


    Ralph

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